Die verschlagenen Schleichwege des PLAGIARIUS AGRARIUS

– sie sind schwer nachzuweisen, aber sie totzuschweigen, ist dumm und schadet der ganzen Gesellschaft –

Posse aus dem Alltag der Agrarwissenschaften: in 5 Akten über 25 Jahre

Dr. Uwe Schleiff

  • Erster Akt: Entdeckung

In den DBG-Mitteilungen 102/2003 (Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft) stosse ich auf eine Publikation der Autoren K. Kuhn, D. Vetterlein & R. Jahn: Einfluss genotypischer Unterschiede in der Na-Aufnahme auf das osmotische Potential in der Rhizosphäre – Bedeutung für den Wasserhaushalt der Pflanzen. Aber hallo, das ist ja interessant, ‚mein altes Thema’ osmotisches Potential in der Rhizosphäre und Wasserhaushalt von Pflanzen, das ist ‚revitalisiert’ worden. Das macht mich neugierig, darüber habe ich doch vor etwa 20 Jahren so etwa 5 Jahre lang ausführlich im Rahmen des DFG-Schwerpunktes (Deutsche Forschungsgemeinschaft)‚ Nährstoffdynamik im Kontaktraum Pflanze/Boden (Rhizosphäre)’ geackert, mit Mais als Versuchspflanze, aber auch anderen Pflanzen. Und zum Thema gibt es sogar viele Publikationen von mir so zwischen 1979 (e.g. ‚Osmotic Potentials of Roots of Onions and their Rhizospheric Soil Solutions when Irrigated with Saline Drainage Water’ in Agric. Water Management) und zuletzt 1987 (e.g. ‚A vegetation technique to study the water uptake by roots from salinized rhizospheric soils’ und ‚A comparison of transpiration rates of young rape plants from salinized soils of different texture’, beide in Z Pflanzenernähr Bodenk 150, 1987) insgesamt fast etwa 15 Publikationen von mir zum gleichen Problemkreis. Beim Blick in die Literatur fällt auf: kein einziger Hinweis auf meine eigenen Arbeiten, na so was, aber immerhin: man bezieht sich – wie ich damals auch – auf die grundlegenden Arbeiten zu diesem Thema von Wadleigh & Ayers (1945). Und es kommt noch deutlicher im letzten zusammenfassenden Absatz der Publikation: ‚In neuerer Literatur findet man zahlreiche Hinweise darauf, dass das Ψo und das Matrixpotential nicht, wie im Ansatz von Wadleigh & Ayers (1945), einfach additiv in bezug auf die Wasserverfügbarkeit für die Pflanze zu betrachten sind, d.h. dass die Bedeutung des Ψo für die Wasserverfügbarkeit überschätzt wird (Vetterlein&Jahn, 2003).’ Mein Gedanke: ‚Dieser Satz könnte wörtlich auch von Dir selber stammen, das hast Du schon vor 20 Jahren immer behauptet (entgegen der internationalen Lehrmeinung), vor allem in Deiner Habilitationsschrift, mit der Du gegen die Wand gefahren bist, maßgebliche Gutachter haben sie verrissen, beherrschten das Thema zwar nicht, hatten aber eine unumstößliche Meinung. Bleibt die Frage, warum eigentlich meine Publikationen, die das gleiche Thema bis 1987 abhandelten, mit keinem Wort erwähnt werden. Ein großer Kreis führender Fachleute aus Bodenkunde und Pflanzenernährung, mit denen ich im  DFG-Schwerpunktes ‚Nährstoffdynamik im Kontaktraum Pflanze/ Boden (Rhizosphäre)’ zusammengearbeitet hatte, die waren doch alle mit meinen Arbeiten gut vertraut (z.B. die heutigen Universitäts-Professoren Horst W/Hannover, Fischer K/Hannover, Claassen N/Göttingen, Römheld V/Stuttgart, Horn R/Kiel, Steffens D/Gießen, Scherer HW/Bonn u.a.). Und die Ablehnung meiner Habilitationsschrift hatte doch einigen Staub aufgewirbelt, war bei einigen Kollegen auch auf viel Unverständnis gestoßen. Waren die alle voll ausgelastet mit ‚wegsehen’! Da mußt Du mal nachhaken!

  • Zweiter Akt: Internetforschung

Ich forsche im Internet nach, auf der Homepage der DFG, und werde fündig unter DFG-Fachausschuss 204, Landwirtschaft und Gartenbau, Kennung 196056: tatsächlich, es gibt dort ein Habilitandenstipendium, gefördert seit 1999, mit dem Titel ‚Durch Pflanzen induzierte Heterogenität des osmotischen Potentials in Böden. Bedeutung für die Wasseraufnahme und Wachstum der Pflanze’. Und in der Zusammenfassung finden sich die Stichworte ‚Massenfluss und Anreicherung von Salzen in der Rhizosphäre, Ausbildung von osmotischen Potentialgradienten und Wasseraufnahme, Salzstress und Pflanzenwachstum’, alles Begriffe, die auch meine damaligen Arbeiten umschreiben. Projektleitung hat die Plagiatorin Dr. Doris Vetterlein, Kooperationspartner ist Prof. Dr. R. Jahn und DFG-Ansprechpartner Dr. H. Velke. Ich lese weitere Publikationen aus diesem Forschungsvorhaben und stelle fest: das ist das Thema Deiner eigenen Habilitation, nur die Messverfahren zur Bestimmung der Wasserpotentiale sind andere. Sie wurden mir schon damals von Gutachtern nachdrücklich empfohlen, erschienen mir aber ungeeignet, weil sie wesentlich aufwendiger sind und außerdem den erforderlichen Messbereich (Ψm) nicht abdeckten. Die Schlussfolgerungen der Autoren sind jedenfalls ‚berauschend’: sie bestätigen die Ergebnisse meiner eigenen Arbeiten, die ich in mehreren anerkannten Fachzeitschriften publiziert hatte und auch als Zusammenfassung erstmalig 1983 und zum zweiten Mal 1985 als Habilitationsschrift an der Agrarwissenschaftlichen Fakultät der Universität Kiel vorgelegt hatte, mir allerdings ‚um die Ohren gehauen’ wurde.

  • Dritter Akt: DFG-Korrespondenz zur ‚guten wissenschaftlichen Praxis’

Ich entschließe mich im Februar 2004 zu einer Email an die Ansprechpartner der DFG, Dr.Velke und Dr. Schmitz-Moeller, und mache sie aufmerksam auf das DFG-finanzierte Schwerpunktprogramm (bis ~1990), in dem die gleiche Thematik schon einmal umfassend bearbeitet wurde. Ich erhalte keine Antwort. Es folgt ein eingeschriebener Brief, den ich an den Präsidenten der DFG, Prof. Dr. Winnacker adressiere, und bitte um Prüfung, ob in diesem Falle die Regeln der DFG und Hochschulen von 1998 ‚zur guten wissenschaftlichen Praxis’ eingehalten wurden. Dem Brief füge ich meine vollständige Publikationsliste zum Thema (17 Titel) bei – einschließlich der abgelehnten Habilitationsschrift als ‚unpublished paper’. Am 23.5.04 erhalte ich die Antwort (GZ:I PRO 2-2948-Schleiff): ‚Einen Verstoß gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis konnten wir dabei nicht feststellen’, weil die ‚erwähnte Arbeit aus dem Jahr 1983 (die abgelehnte Habilitationsschrift) nicht veröffentlicht und damit nicht zitierfähig ist’. Welch schlitzohrige ‚Kreativität’: die etwa 15 zitierfähigen Publikationen in verschiedenen Fachzeitschriften bleiben unerwähnt, die DFG-Argumentation stützt sich auf die Unzugänglichkeit eines unveröffentlichten ‚Papers’. Und es kommt noch dicker zum Thema ‚Literaturarbeit’: ‚ein Zitierzwang oder eine Pflicht, auf identische Vorarbeiten anderer Gruppen hinzuweisen, besteht indes nicht.’ Mit anderen Worten, mit DFG-Geldern kann das Rad immer wieder neu erfunden werden – welch ein ‚Fortschritt’ für die wissenschaftliche Szene dieses Landes, ein El Dorado für Plagiatoren. Und weiter heißt es: ‚Zu dem Antrag auf Förderung haben sich sämtliche Gutachter positiv geäußert und die Förderung uneingeschränkt empfohlen’, alle weiteren Angaben unterliegen der Vertraulichkeit. Der DFG-Brief endet mit der Floskel ‚Die DFG legt Wert auf die Einhaltung der Regeln guter wissenschaftlicher Praxis und geht entsprechenden Hinweisen gewissenhaft nach.’ Doch genau daran habe ich größte Zweifel: zur Prüfung  eines möglichen Verstoßes beruft man sich auf eine nicht zitierfähige Publikation von mir, die ich selber schon als unveröffentlicht gekennzeichnet hatte, aber übergeht etwa 15 zitierfähige Publikationen. Da frage ich mich, wie der Begriff ‚Gewissenhaftigkeit’ denn in Kreisen der DFG und ihrer Gutachter definiert wird! Im konkreten Fall bin ich eher vom Gegenteil überzeugt!

  • Vierter Akt: Pressemitteilung und Stellungnahmen aus der Fachwelt

Im Juni 2004 gebe ich eine Pressemitteilung heraus mit der Überschrift ‚Das macht doch nichts, das merkt doch keiner! Plagiate in der Forschung’, in der ich meine DFG-Korrespondenz zum Thema ‚Ehrenkodex’ verbreite. Es meldet sich u.a. die unmittelbar betroffene Plagiatorin Dr. D. Vetterlein und droht mit rechtlichen Schritten. Und am 20.08.04 erhalte ich einen Brief von Prof. Dr. Dr. h.c. HP Blume aus Kiel, Ex-Präsident und Ehrenmitglied der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft, in dem mir Feigheit und Ähnliches vorgeworfen werden. Später wird mir noch die Aberkennung des Dr.-Titels angedroht. Immerhin, diese Aufregung seitens Prof. Hans Peter Blume war doch erstaunlich, denn namentlich wurde er in der Pressemitteilung überhaupt nicht erwähnt. Aber zu Recht fühlte er sich angesprochen. Er war es nämlich, der die Ablehnung meines Habilitationsantrages von 1983/85 organisiert hatte. Immerhin erhalte ich jetzt endlich auch die Gutachten von damals, zu denen ich laut Satzung der Uni Kiel keinen Zugang bekam, frühestens nach 10 Jahren. So komme ich doch noch in den ‚Genuss’, die teilweise anonymisierten Gutachten persönlich zu Gesicht zu bekommen. Immerhin, von den 4 mir zur Verfügung stehenden Gutachten sprechen sich 2 eindeutig für die Annahme der Arbeit aus. Es heißt dort: ‚Eine Habilitation gerade auf dem so schwierigen, aber äußerst dringend zu bearbeitenden Gebiet der Physiologie der Salztoleranz von Kulturpflanzen dürfte sich äußerst fruchtbringend für das gesamte Gebiet der Pflanzenernährung auswirken’ (Prof. Amberger, Weihenstephan) und sehen sie als ‚beachtlichen Fortschritt auf dem Gebiet … der Kausaldeutung von Salzschäden’ an (Prof. Finck, Kiel). Die beiden anderen Gutachten der Professoren HP Blume (Kiel) und Konrad Mengel (Gießen) sind dagegen mein ‚Todesurteil’. Beide Gutachter waren zwar noch niemandem als Fachleute auf dem Arbeitsgebiet ‚Salztoleranz von Pflanzen im Bewässerungsfeldbau’ aufgefallen, aber umso entschiedener fällt die Ablehnung meiner Habilitationsschrift aus. Prof. Blume konzentriert sich in seinem Gutachten auf Nebensächlichkeiten und umgeht so ‚erfolgreich’ eine konkrete Stellungnahme zur Kernaussage der Arbeit,  nämlich dass die verschiedenen Bodenwasserpotentiale (Ψo, Ψm) eben nicht gleichwertig auf die Wasseraufnahme durch Pflanzenwurzeln wirken, sondern sehr unterschiedlich. Diese Erkenntnis war damals nachweislich neu, stand in klarem Widerspruch zur damaligen Lehrmeinung und hat weitreichende Folgen beispielsweise für die Modellierung der Wasseraufnahme durch Pflanzen und Bewässerung. Der omnipotente Herr Prof. Blume will sich mit seinem negativen Gutachten aber den Anschein von Objektivität und Neutralität geben, das ist Teil des ‚Theaters’. Also muss ein weiteres externes Gutachten her. Und mit der Auswahl des Gutachters will er kein Risiko eingehen, sondern eine Bestätigung seiner negativen Bewertung. Prof. K. Mengel, ein Erzrivale von Prof. Finck (mein Förderer), und nie zimperlich, wenn es darum geht, Prof. Finck eins auszuwischen, ist da der ideale Kandidat als Gutachter. Er wird auf Veranlassung von Blume bestellt und enttäuscht seinen Auftraggeber nicht. Es wird ein Gutachten, das überschlägt sich in seiner Begeisterung, die Arbeit zu verreißen. Es heißt da, ‚Tatsächlich neue Erkenntnisse wurden mit keinem der aufgeführten Ergebnisse gewonnen’ oder auch ‚die Wasseraufnahme ist abhängig vom (Gesamt)-Wasserpotential’. Meine experimentellen Ergebnisse, dass das osmotische und matrische Bodenwasserpotential eben nicht additiv auf die Wasseraufnahme wirken (wie man bisher annahm), wird schlicht abgestritten und auf angeblich brauchbare Versuchstechniken des eigenen Schützlings, Dr. M. Helal, verwiesen. Mit diesem vernichtenden Urteil steht für die Fakultät fest, dass das Habilitationsverfahren zu begraben ist. Offen bleibt für mich, warum eigentlich Prof. Dr. Gerhard Schaffer vom Leichtweiss-Institut für Wasserbau der TU Braunschweig, unter dessen Leitung meine Arbeiten entstanden waren, vom Begutachtungsverfahren so hartnäckig ausgeschlossen wurde! Die Fakultät liess auch nicht gelten, dass meine vorgelegten Publikationen im Zuge der ‚peer-review’-Verfahren schon von über 20 international anerkannten Experten positiv bewertet worden waren.  Und warum ein zweites Gutachten von Prof. H.P. Blume datiert auf den 28.05.1985, in dem Prof. Blume einen Sinneswandel dokumentiert, anscheinend nicht zum Tragen gekommen ist, bleibt ungeklärt. Dieses zweite Gutachten vermittelt den Eindruck, Prof. H.P. Blume wollte sein erstes negatives Gutachten zurücknehmen und durch ein Positives ersetzen. Meine Versuche, mit den besonders kritischen Gutachtern  Kontakt aufzunehmen, sind erfolglos.

Damit bin ich endgültig als Wissenschaftler ‚versenkt’ worden, entwickle mein portables Feldlabor ‚SALINITY&SOIL FERTILITY KIT’ und mache mich 1986 als ‚International Freelance Expert for Irrigation+Salinity, Fertilizers+Crops, Soils+Environment’ relativ erfolgreich selbständig. Nur die sehr positiven Reaktionen auf meine Publikationen aus dem Ausland (z.B. Israel, Pakistan, USA, England, Oman) lassen mir keine Ruhe, sie ermutigen mich, meine in Deutschland von den tonangebenden Wissenschaftlern bisher so vernichtend bewertete Versuchstechnik und -ergebnisse anerkannten Fachzeitschriften zur Publikation anzubieten, mit Erfolg zuletzt auch zwei Publikationen im Jahre 1987 in der ‚Zeitschrift für Pflanzenernährung und Bodenkunde’. Die Redaktion entspricht meinem Wunsch, die Artikel in keinem Falle den Professoren Mengel und Blume zur Begutachtung vorzulegen, so dass es ohne Probleme zur Annahme der Publikationen kommt. Ich freue mich natürlich darüber, dass die 4 einbezogenen Gutachter unabhängig voneinander das Neue in meiner Arbeit anerkannt haben. Für mich ist diese Affäre mit der Habilitation damit abgeschlossen, ich konzentriere mich auf meine freiberufliche Tätigkeit.

  • Fünfter Akt: Schrittweise ‚Wiederbelebung’ meines Forschungsvorhabens – aber ohne jeden Bezug zu meinen Arbeiten

Der Kreis schließt sich mit der zufälligen Entdeckung der Publikation von Kuhn, Vetterlein & Jahn in den DBG-Mitteilungen 102/2003 (siehe Erster Akt), wo ich zu meiner großen Überraschung die wesentlichen Erkenntnisse aus meiner Habilitationsarbeit und einiger Publikationen  ‚wieder entdeckt’ finde. Stutzig macht mich nur, dass es keinen einzigen Hinweis auf meine Publikationen gibt. Das weckt meinen Forscherinstinkt und ich versuche zu rekonstruieren, was so ab 1987, nachdem ich ‚ausgebootet’ worden war, geschehen ist. Fündig werde ich mit mehreren Veröffentlichungen ab 1993 bis 2004, in denen ‚mein Thema’ schrittweise neu bearbeitet wird: beginnend mit einer gemeinsamen Publikation von D. Vetterlein, H. Marschner und R. Horn aus dem Jahre 1993 in Plant& Soil 149 zur Methodik und weitergeführt von D. Vetterlein als DFG-finanziertes Habilitationsstipendium seit 1999 (bis 2004, siehe Zweiter Akt). Und noch ein ‚Zufall’ fällt mir auf: die beiden Co-Autoren Horst Marschner und Rainer Horn müssen eigentlich detailliert mit den Ergebnissen meiner Arbeiten zum Thema ‚Bodenwasserpotentiale und Wasseraufnahme’ vertraut gewesen sein: Prof. Marschner war etwa 10 Jahre Leiter des DFG-Schwerpunktes ‚Rhizosphäre’, in dem ich den Grossteil meiner Ergebnisse erarbeitet hatte. Ich wage einen Blick in sein 1995 überarbeitetes Fachbuch ‚Mineral Nutrition of Higher Plants’. Und tatsächlich, unter ‚References’ verweist er auf 2 Publikationen  von mir (1986/87), die die Additivität von Wasserpotentialen zum Thema haben. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, wenn man sich das relevante Kapitel 15.2 ansieht, dass der eigentlich innovative Aspekt meiner Publikationen zur Neubewertung der Bodenwasserpotentiale mit keinem Wort erwähnt wird. Ich frage mich, ist das etwa nur eine Nachlässigkeit eines so auf ‚wissenschaftliche Sauberkeit’ bedachten Wissenschaftlers und Buchautors? Oder sollen dem Leser die Aussagen meiner Publikationen etwa deshalb vorenthalten bleiben, weil durch die Aufnahme meiner Ergebnisse in sein Fachbuch die ‚eigenen’ Forschungsintentionen des Autors auf diesem Gebiet und Beschaffung von DFG-Geldern gefährdet werden könnten? Man hatte das Thema ja schließlich bald nach meinem Ausscheiden aus dem Wissenschaftsbetrieb wieder auf die ‚Tagesordnung’ gesetzt, nur eben ohne mich und direkt unter ‚den eigenen Fittichen’ mit Dr.Vetterlein, in wissenschaftlicher Begleitung von Prof. Horn, einem damaligen Günstling des Kollegen Blume und sein Nachfolger in Kiel. Und da hätte jeder Hinweis darauf, dass ich zu diesem Thema ja schon wichtige Beiträge publiziert hatte, nur gestört. Immerhin, fast 20 Jahre später findet die ‚Neuentdeckung’ meiner damaligen Ergebnisse statt: die von Prof. Marschner auf ‚meine Schiene’ gesetzte Arbeitsgruppe (Vetterlein, Jahn et al.) bestätigt meine zwischen 1983 und 1987 publizierten Ergebnisse, dass ‚die Wasserpotentiale (Ψo+Ψm) nicht einfach additiv in Bezug auf die Wasserverfügbarkeit für die Pflanze zu betrachten sind’ (zit. aus DBG-Mitt. 2003). Nur der Hinweis, dass das keine neue Erkenntnis war, sondern schon im Rahmen des DFG-Schwerpunktes ‚Rhizosphäre’ und danach detailliert experimentell belegt und publiziert worden war, der fehlt auch hier.

Und dann stelle ich mir noch die Frage, wie es denn der Kooperationspartner von Marschner in Sachen Bodenphysik, Prof. Rainer Horn, mit der Quellenangabe so hält. Er trägt nämlich im ‚Handbuch des Bodenschutzes’ (Blume HP, 1992) einen Fachbeitrag zum Thema ‚Salze’ bei, und da kann man das Thema ‚Bodenwasserpotentiale’ eigentlich nicht so ‚elegant’ umschiffen wie der Herr Marschner als Pflanzenernährer, zumal auch Horn mit meinen Arbeiten bestens vertraut ist. Und in der Tat, die Additivität der Bodenwasserpotentiale wird auch grundsätzlich thematisiert und einige meiner älteren Publikationen werden auch genannt, nur auch dieser Autor hält es für richtiger, die Ergebnisse meiner Arbeiten zum Thema ‚Additivität’ zu vermeiden. Welches ‚Einfühlungsvermögen’ in seine Gönner! Das nenne ich ‚Seelenverwandtschaft’, so kann man wohl den Mangel an fachlicher Kompetenz in bewährter Manier durch ‚gelebte Solidarität’ ausgleichen. Und bei nächster Gelegenheit – zum Beispiel bei der Beantragung von Forschungsgeldern – kann man wieder ‚Dankbarkeit’ einfordern! So ist man sich gegenseitig behilflich, die Pfründe abzusichern, die finanziellen Ressourcen vor allem der DFG unter sich aufzuteilen, und lästige Konkurrenz umgehen. Dazu fällt mir ein schönes Sprichwort aus dem Norden ein: der Fisch, er fängt am Kopf an zu stinken!

Ich erinnere mich, am schärfsten wurden meine in der Habilitationsschrift zusammengefaßten Ergebnisse zur ‚Additivität von Bodenwasserpotentialen’ vom Prof. Mengel angegriffen, auch er ein fleißiger Buchautor. Ich schlage in seinem zuletzt 1992 überarbeiteten Fachbuch ‚Ernährung und Stoffwechsel der Pflanze’ nach, was er zum Thema ‚Bodenwasserpotentiale’ anzubieten hat. In seinem vernichtenden Gutachten zu meiner Habilitationsschrift weist er zumindest auf das international große Interesse und die Bedeutung des Themas hin. Ich wundere mich nicht, dass ich in seinem Buch keinen einzigen Hinweis auf meine Publikationen finde. Das ist nur konsequent, denn er war es ja, der in meiner Arbeit keine einzige neue Erkenntnis, sondern viel ‚Spekulation’ vermutete. Ich denke, ein Gutachter, der deine Ergebnisse so entschieden ablehnt und als Spekulation darstellt, der hat seine eigene Lehrmeinung sicher in seinem Fachbuch dargestellt, wahrscheinlich das klassische Konzept von  Wadleigh&Ayers (1945/46). Ich staune nicht schlecht, dieser showbegabte Herr Professor mit den ausgeprägten Machtgelüsten, der von HP Blume als Fachgutachter bestellt wurde und den Experten für das Bodenwasserpotential-Konzept und Salztoleranz von Pflanzen simulieren soll, äußert sich in seinem eigenen Fachbuch mit keinem einzigen Wort zum Thema ‚Additivität von Bodenwasserpotentialen’. Eine tolle Inszenierung, im Gutachten den empörten Experten spielen, weil es ja für mindestens 10 Jahre unter Verschluss bleibt, aber da, wo  Transparenz herrscht wie bei der Publikation eines Buches, kein Wort zum Thema. Und nicht zu vergessen, mit diesem Gutachten bot sich ihm die einmalige Chance, endlich einen möglichen Konkurrenten für die eigene Seilschaft frühzeitig ‚auszuknipsen’, das musste wahrgenommen werden. Wissenschaftliche Seriosität muss da eben auf der Strecke bleiben, wenn es um die eigene Seilschaft geht! Innerhalb der Agrarwissenschaftler trifft man da auf viel Verständnis! Fast dankbar muss ich diesem wendigen Herrn Prof. Konrad Mengel für seine neueste Erkenntnis sein, zu der er leider erst in den letzten Jahren gekommen ist, nämlich dass der Beitrag seiner eigenen physiologisch und molekularbiologisch orientierten Forschungsrichtung zur Verbesserung der Salztoleranz von Pflanzen gemessen am Aufwand mehr als enttäuschend ist (Mengel & Kirkby, 2001) – na so was, da hat er ja maßgeblich zu beigetragen und andere Konzepte frühzeitig ‚abgewürgt’. Schade um die vielen DFG-Gelder!  Seine neuere Erkenntnis kann ich jedenfalls nur unterstreichen.

Um dem in dieser Szene üblichen endlosen Lavieren, Taktieren und Schachern etwas Sachliches entgegen zu setzen, entschließe ich mich zu einer Publikation in einem Sonderheft der FAL 286 (2005, siehe Quellen), mit der ich den wissenschaftlichen Fortschritt meines Konzeptes und die bisherigen Ergebnisse zum Bodenwasserpotential und der Salztoleranz von Pflanzen zusammenfasse und auf wichtige Forschungslücken hinweise (http://www.salinity.de). Weitere Publikationen in internationalen Fachzeitschriften mit ‚peer-review’ Verfahren werden folgen. Es ist zu hoffen, dass auch die selbst ernannten deutschen Experten in Sachen Salztoleranz ihre über Jahrzehnte erfolgreich gepflegte Abneigung gegen innovative Konzepte überdenken und Erfolg versprechende Forschungsarbeiten nicht schon im Vorfeld hartleibig bekämpfen.

Resume

Ich denke, dass ich exemplarisch darstellen konnte, wie über Jahrzehnte einige der schwer nachweisbaren und filigranen Abwehrmechanismen etablierter Forschungskreise funktionieren‚ wenn sie sich gegen Innovationen stellen, die sie nicht selber auf den Weg gebracht haben. Wie in diesem Beispiel gezeigt, müssen solche Innovationen aber keineswegs ganz verloren gehen, sondern können durchaus als Plagiate eine neue DFG-Finanzierung finden und in so genannten ‚eigenen Forschungsvorhaben’ eine Renaissance erfahren, eventuell auch in etwas modifizierter Form. Ich denke, dieser Beitrag ist ein charakteristisches Beispiel für die Korruptionsanfälligkeit der üblichen Begutachtungsverfahren und zeigt auf, wie persönliche Auseinandersetzungen zwischen ‚eifersüchtelnden’ und profilierungssüchtigen Wissenschaftlern, die sich die verkrusteten Strukturen der agrarwissenschaftlichen Hochschulforschung zu Nutze machen, über eine sachgerechte Beurteilung dominieren. Zu oft ist es nicht die mangelnde Kreativität und Innovationskraft des einzelnen Wissenschaftlers, sondern die allzu fragwürdige Qualifikation von Gutachtern – fachlich und moralisch -, die in der bundesdeutschen Hochschullandschaft die Ausrichtung der Forschung bestimmen und als Innovations-Bremsen wirken. Aus meinen konkreten Erfahrungen mit der Inkompetenz und willkürlichen Entscheidung von Gutachtern hätte ich mir gewünscht, dass diese Damen und Herren verpflichtet werden, in einer verbindlichen Erklärung ihre fachliche Kompetenz nachweisen und gegebenenfalls im Gutachten selber auf mögliche Grenzen ihrer Kompetenz hinweisen müssen. Wer da hofft, die Einrichtung des Ombudsmanns oder die Abgabe von ‚Ehrenerklärungen’ würde in diesem verfilzten Milieu zu mehr als zum Selbstschutz von Ertappten und als Feigenblatt taugen – ein Narr! Und wenn das Unwahrscheinliche eintreten würde, dass tatsächlich einer erwischt werden sollte, ernsthafte Konsequenzen oder Sanktionen? Aber nein – das tut man sich doch nicht an!

Die Schatten der Vergangenheit werfen ihre Folgen für die Zukunft voraus!

Quellen:

Plagiarius Aktion Plagiarius, Museum Plagiarius Berlin, Innovation contra Imitation, www.designschnorrer.de/

Marschner H., (1995-99): Mineral Nutrition of Higher Plants (p.540), Academic Press

Mengel K., (1991): Ernährung und Stoffwechsel der Pflanze (p.196); Gustav Fischer Verlag, Jena

Mengel K & Kirkby EA (2001): Principles of Plant Nutrition, (p. 241); 5th edition, Kluwer Academic Publishers

DFG: Geschäftszeichen der DFG: IPRO 2-2948-Schleiff

DFG: Beschluss der Mitgliederversammlung der DFG vom 17. Juni 1998: Regeln guter wissenschaftlicher Praxis.  http://www.dfg.de

Schleiff U. (1981): Osmotic Potentials of Roots of Onions and their Rhizospheric Soil Solutions when Irrigated with Saline Drainage Water. Agric. Wat. Managem 3, 317-323

Schleiff U. (2005): Research Aspects for Crop Salt Tolerance under Irrigation with Special Reference to Root Environment. In: FAL Agricultural Research, Special Issue 286: Recent Advances in Agricultural Research, by Haneklaus S., Rietz R.M., Rogasik J. and Schroetter S. (eds.), 83-94; http://www.salinity.de

Schleiff U. (2003): Handbook ‘SALINITY + SOIL FERTILITY KIT’; self-published

Schleiff, U. and Schaffer, G. (1984)  The effect of decreasing soil osmotic and soil matrix water potential in the rhizosphere of a loamy and a sandy soil on the water uptake rate of wheat roots. Z. Acker- und Pflanzenbau 153, 373-384.

Kuhn K., Vetterlein D. & Jahn R. (2003): Einfluss genotypischer Unterschiede in der Na-Aufnahme auf das osmotische Potential in der Rhizosphäre – Bedeutung für den Wasserhaushalt der Pflanzen; Mitt. Dt. Bodenk. Ges.102, Heft 2, 357-358

Schleiff, U. (2011): The forgotten link in improving crop salt tolerance research under brackish irrigation – lateral soil salinity gradients around roots. In: Handbook of Plant and Crop Stress, 3rd edition; ed. Pessarakli M., Taylor & Francis Group, Chapter 45, p. 1145 -1152

Schleiff, U. and Muscolo, A. (2011): Fresh look at plant salt tolerance as affected by dynamics at the soil/root-interface using leek and rape as model crops. The European Journal of Plant Science and Biotechnology 5 (Special Issue 2), 27-32; Global Science Books

Schleiff, Uwe (2013): Mechanistic Approach to Understand Crop Salt Tolerance under Brackish Irrigation. In: Messung, Monitoring und Modellierung von Prozessen im System Boden – Pflanze – Atmosphaere, 16.-17. November 2012, Leipzig, Helmholtzzentrum

Kontakt: Dr. Uwe Schleiff,

schleiff@salinty.de.