EINSCHREIBEN

Dekan der Agrar- und Ernaehrungwissenschaftlichen

Fakultaet der CAU zu Kiel

Prof. Dr. Rainer Horn

Hermann-Rodewald-Strasse 4, R.N.N.

24098 Kiel

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         07.03.2013

betr.:  Antrag auf  Neubewertung meiner Habilitationsarbeit zum  Thema ‚Wasseraufnahme aus Salzboeden durch Wurzeln von Kulturpflanzen unterschiedlicher Salztoleranz unter besonderer Beruecksichtigung des Rhizobodens’ einschliesslich Publikationen, abge-lehnt von der Agrarwissenschaftlichen Fakultaet der CAU mit Schreiben vom 12.2.1986

Sehr geehrter Herr Dekan,

lieber Herr Horn,

nach Ruecksprache mit dem Ombudsman der CAU, Herrn Prof. Susenbeth, wende ich mich an Sie als Dekan mit der Bitte, eine Neu-Bewertung meiner o.g. Habilitationsschrift und diesbezueglichen Veroeffentlichungen zu veranlassen (Anlage 1). Dies erscheint mir ange-sichts der mir vorliegenden Gutachten zu meiner Habil.-Arbeit und neuerer fachlicher Erkenntnisse im Sinne einer gerechten Bewertung meiner auf internationaler Ebene anerkannten wissenschaftlichen Leistung dringend geboten.

Wie Sie aus frueheren Kontakten mit mir wissen, habe ich mich nach bekannt werden der Gutachten, die leider 10 Jahre lang unter Verschluss Ihrer Fakultaet blieben, nie mit dem fachlich unbegruendeten Urteil abgefunden. Dies hat damit zu tun, dass zwei der Gutachten, vor allem aber das Mengel-Gutachten, in Anbetracht meiner wissenschaftlichen Erkenntnisse als unqualifiziert einzustufen sind, insbesondere auch unter Beruecksichtigung des wissen-schaftlichen Fortschrittes auf diesem Gebiet.

Im Folgenden werde ich deshalb aufzeigen, wie es zur Ablehnung meiner Arbeiten kam und dass fachliche Gruende nur eine marginale Rolle spielten, wenn ueberhaupt. Die Fakul-taet beauftragte Prof. Blume mit der Leitung des Habilitationsverfahrens. In dieser Funktion hat Herr Blume die Aufgabe, nach eigenem Ermessen Gutachter zur Beurteilung der Habilita-tionsarbeit auszuwaehlen. Er fordert je ein Gutachten von Prof. A. Finck, meinem Doktor-vater, und Prof. A. Amberger (Weihenstephan) an, die beide sehr positiv ausfallen. Prof. Dr. agr. G. Schaffer, Bodenkundler am Leichtweiss Institut fuer Wasserbau der TU Braunschweig und mein langjaehriger Vorgesetzter, unter dessen Leitung meine wissenschaftlichen Erkennt-nisse entstanden, wird nicht in die Beurteilung eingebunden. Es war aber Prof. Schaffer, der mir nach meiner Promotion als Einziger in Deutschland die Moeglichkeit anbot, Praxis bezogen in Verbindung mit der so wichtigen Auslandserfahrung auf Bewaesserungsprojekten zur Thematik ‚Salztoleranz’ wissenschaftlich arbeiten zu koennen. Stattdessen wird Prof. K. Mengel, ein erklaerter Gegner von Prof. Finck, als dominierender Gutachter einbezogen. Die gegenseitige Missachtung beider Professoren gipfelte gelegentlich in Anfeindungen, die selbst auf Tagungen oeffentlich ausgetragen wurden und allgemein bekannt waren, ganz besonders auch Prof. Blume. Mit der Beauftragung von Prof. Mengel war daher auch ein unsachliches und negatives Urteil zu erwarten, unabhaengig von meiner eigentlichen wissenschaftlichen Leistung. Beide Herren, Prof. Blume und Mengel, haben sich uebrigens weder praktisch noch theoretisch jemals mit der Thematik ‚Salztoleranz im Bewaesserungsfeldbau’ befasst und sind Laien auf dem von mir bearbeiteten Gebiet. Umso erstaunlicher ist deshalb auch die Rigoro-sitaet des Gutachtens, mit der vor allem Prof. K. Mengel meine Arbeit ablehnt, obwohl bereits zahlreiche positive Bewertungen (ca. 20) internationaler Fachgutachter vorlagen (siehe Anlage 2: meine Publikationsliste).

In seinem Gutachten heisst es unter anderem woertlich: ‚Tatsaechlich neue Erkenntnisse wurden mit keinem der aufgefuehrten Ergebnisse gewonnen.’ Es wird beispielsweise boes-willig ignoriert, dass meine Arbeiten weltweit erstmalig den unterschiedlichen Beitrag von osmotischem und matrischem Bodenwasserpotential auf die Wasseraufnahme durch Pflanzen-wurzeln belegen. In einem parallel persoenlich an mich gerichteten Schreiben (14.11.1986) von Herrn Mengel hoert sich sein Urteil dagegen ganz anders an,  Zitat: ‚Das in der Abb. dargestellte Ergebnis (Abb.37: Wasseraufnahmeraten … als Funktion abnehmender Wasser-potentiale eines salzfreien und salzhaltigen Rhizobodens) ist tatsaechlich sehr ueberra-schend…’. Damit hatte er voellig recht. Ihm war also keineswegs eine zentrale Aussage meiner Arbeit entgangen, naemlich (ich wiederhole!) dass die Wirkung osmotischer und matrischer Bodenwasserpotentiale auf die Wasseraufnahme unterschiedlich sind, was nach dem damaligen Stand der Wissenschaft nicht zu erwarten war. In diesem Kontext entbehrt auch der Hinweis auf eine sinnvolle Zusammenarbeit mit seinem Schuetzling, Prof. Dr. M. Helal,  jeder fachlichen Grundlage. Meine Erkenntnis wird 8 und 10 Jahre  spaeter in Publi-kationen von Prof. Urs Schmidhalter/Oertli (Weihenstephan, 1991) und Dr. PD Doris Vetterlein/Kuhn (Halle, 2003) bestaetigt. Was seine Kritik an meiner Vegetationstechnik angeht, so ist anzumerken, dass bis heute keine Technik entwickelt wurde, mit der so umfas-send und simultan relevante Parameter quantitativ zu erfassen sind (siehe Anlage 2: e.g. Publikationen Nr. 21, 24, 39, 40, 41, 60). In den widerspruechlichen Aussagen von Prof. Mengel erkenne ich eine Doppelzuengigkeit, die die Vermutung bestaetigt, dass sein negatives Urteil sich nicht an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert hat, wie sich schon bei seiner Bestellung durch Prof. Blume abzeichnete.

Mit seinem pauschalen Statement, ‚tatsaechlich neue Erkenntnisse wurden mit keinem der aufgefuehrten Ergebnisse gewonnen’, ignoriert Herr Mengel darueberhinaus, dass folgende Ergebnisse eindeutig neue Erkenntnisse waren bzw. zweifelt sie an, jedoch ohne Argumente:

  • Die Salzanreicherung im wurzelnahen Boden nimmt keineswegs unbegrenzt zu, sondern steigt nur bis auf pflanzenspezifische Maximalwerte an.  
  • Wurzelmorphologische Unterschiede leisten einen erheblichen Beitrag zur Salztoleranz bewässerter Kulturpflanzen.
  • Ich habe eine effiziente Technik entwickelt, mit der erstmalig der Effekt von osmotischen und matrischen Wasserpotentialen von Rhizoboeden auf die Wasseraufnahme durch Wurzeln quantitativ erfasst werden kann.   
  • Es wurde eine effektive Methode entwickelt, um aus Gehalten an osmotisch wirk-samen Substanzen in der Trockensubstanz auf osmotische Werte in der Frisch-substanz schliessen zu koennen. Das ist eine wichtige Voraussetzung fuer simultane Messungen im komplexen System Boden/Pflanze.

Nach Ignorierung meiner methodischen Arbeiten, der Entwicklung eines grundlegend neuen Konzeptes zum Verstaendnis der Salztoleranz und experimenteller Ergebnisse kommt Herr Mengel zu dem Schluss, dass ‚Die Arbeit (wird) meiner Meinung nach nicht den Anforderungnen gerecht, die an eine Habilitationsschrift zu stellen sind’. Diese entschiedene Ablehnung war fuer mich auch deshalb ein Schock, da es im DFG-Schwerpunkt  ‚Rhizo-sphaere’ (Leitung: Prof. H. Marschner) jahrelang eine gute Zusammenarbeit mit ihm und anderen tonangebenden Pflanzenernaehrern gab und es zu keinem Zeitpunkt fachliche Kritik an meiner Arbeit gab. Gelegenheit dazu hatte es schliesslich oft genug gegeben.

Fuer mich schwer nachvollziehbar ist die Beurteilung meiner Habil-Arbeit durch Prof. Blume, da mir von ihm zwei Gutachten mit entgegen gesetzter Schlussfolgerung bekannt sind. Auf wiederholte Nachfrage beim Dekan in 1997 wird mir mit Datum vom 12.08.1997 offiziell ein Gutachten von Prof. Blume datiert auf den 30.1.84 zugestellt. Mehreren seiner kritischen Argumente kann ich nicht beipflichten, was aber den Rahmen dieses Schreibens sprengen wuerde. Im Ergebnis lehnt Prof. Blume in diesem Gutachten die Annahme der Arbeit in der vorliegenden Form ab und empfiehlt ‚ergaenzende Studien’ etwa ‚im Rahmen eines Habilitationsstipendiums’. Einer Annahme der Arbeit wuerde er aber akzeptieren, wenn ‚die kompetenten Fachgutachter der Pflanzenernaehrung jedoch fuer eine Weiterfuehrung des Verfahrens plaedieren’. Ich entsprach seinem Vorschlag mit dem Habilitationsstipendium, jedoch erfolglos. Im Ergebnis lagen zu diesem Zeitpunkt also zwei positive Gutachten (Amberger, Finck), ein negatives (Mengel) und ein unentschiedenes (Blume) vor. Entschei-dend fuer die Ablehnung war demnach wohl das Mengel-Gutachten.

            Mit einem persoenlichen Schreiben vom 20.08.2004 schickt Prof. Blume mir das von ihm erstellte Gutachten zu, das dem Habil.-Ausschuss als Entscheidungsgrundlage vorgelegen haben soll. Dieses Gutachten war jedoch nicht auf den 30.1.84, sondern auf den 28.05.1985 datiert. Beide Gutachten sind in weiten Teilen wortgleich, die Schlussfolgerungen jedoch entgegengesetzt. In dem mir von Prof. Blume persoenlich uebersandten Gutachten vom 28.05.1985 heisst es, dass Prof. Blume ‚das Vorgelegte als eine wohl ausreichende Habilita-tionsleistung’ ansieht. In dieser Formulierung sehe ich eine grundsaetzlich positive Bewer-tung. Im Ergebnis muessen der Fakultatet nun drei positive Bewertungen (Amberger, Blume, Finck) und ein negatives (Mengel) vorgelegen haben. Wie es auf dieser Basis zu einer Ablehnung meiner Habil.-Arbeit kommen konnte, ist eine hoechst willkuerliche Entschei-dung, die aus meiner Sicht nicht nachvollziehbar ist. Auch wie diese Entscheidung des Habil.-Ausschusses unter Leitung von Prof. Blume den ‚Regeln guter wissenschaftlicher Praxis’ und der Habilitationsordnung entsprochen haben soll, ist nicht erkennbar und bedarf dringend einer sachlichen Ueberpruefung.

Andererseits ist mir schon damals nicht entgangen, dass meinem Konzept zum Verstaend-nis der Salztoleranz und den Ergebnissen seitens Prof. H. Marschner sehr grosses Interesse entgegen gebracht wurde. Er war es schliesslich auch, der mich auf Grund meiner in Feldver-suchen/Saudi Arabien erzielten Ergebnisse so etwa 1979/80 in den von ihm gefuehrten DFG-Schwerpunkt ‚Rhizosphaere’ aufnahm. Sein wissenschaftliches Interesse kam auch deutlich zum Ausdruck anlaesslich seines Besuches im Februar 1987 (?) am Institut fuer Pflanzenbau/ Eschikon an der ETH-Zuerich, als ich ihn  detailliert ueber den Stand meiner wissenschaft-lichen Arbeiten und Techniken informierte. Ich hatte den Eindruck, ihn vom wissenschaft-lichen Potential meines Konzeptes und seine Bedeutung fuer die Bewaesserungspraxis und Pflanzenzuechtung ueberzeugt zu haben. Im Ergebnis wurde die wissenschaftliche Arbeit zu meiner Thematik ‚Salzakkumulation im Rhizoboden’ nach Ablehnung meiner Habil-Arbeit dann auch nicht eingestellt, sondern bald wieder unter Leitung von Prof. Marschner weiter gefuehrt. Alle dies bezueglich von ihm und seinen Schuelern gestellten DFG-Antraege wurden jetzt positiv begutachtet und muendeten im Habil.-Stipendium und erfolgreicher Habilitation von Frau Dr. Doris Vetterlein/Halle. Um Missverstaendnissen vorzubeugen, moechte ich Frau Vetterlein ausdruecklich zu ihrer erfolgreichen Habilitation so etwa im Jahre 2006 gratulieren. Die Schwierigkeiten ihres Vorhabens im Detail und die Komplexitaet dieser Thematik duerfte kaum jemand besser als mir bekannt sein. Als Marschner-Schuelerin haette es ihr aber nicht entgehen duerfen, dass punktgenau zu dem von ihr bei der DFG beantragten Habilitationsstipendim (Thema: ‚Durch Pflanzen induzierte Heterogenitaet des osmotischen Potentials in Boeden. Bedeutung fuer Wasseraufnahme und Wachstum der Pflanze’, 1999; siehe Anlage 4) bereits zahlreiche Publikationen von mir vorlagen, zumal diese ueberwiegend im Marschner gefuehrten DFG-Schwerpunkt ‚Rhizosphaere’ entstanden waren. In ihren Publikationen fehlen Hinweise auf meine Arbeiten, was nicht fuer eine Arbeitsweise entsprechend den ‚Regeln guter wissenschaftlicher Praxis’ entspricht

Darueber hinaus bin ich nach wie vor der Meinung, dass mit der von mir entwickelten und publizierten Vegetationstechnik (siehe Anlage 2: Publikation Nr. 21, 24, 39, 40, 41, 60) ein wesentlich weiteres Spektrum des komplexen Problems zu bearbeiten ist und ein erheblich besserer Praxisbezug besteht, der ja fuer die Umsetzung theoretischer Erkenntnisse so entscheidend ist. Ich plane weitere Publikationen (Anlage 3).

Ob nun auch Prof. H. Marschner sich in den Entscheidungsprozess der Kieler Fakultaet  eingemischt hat, koennte nur eine unvoreingenommene Pruefung der geheim gehaltenen Fakultaetsunterlagen klaeren. Jedenfalls war es Prof. Marschner keineswegs wesensfremd, sich  ungefragt in wichtige Personalentscheidungen anderer Fakultaeten im Fach Pflanzen-ernaehrung fruehzeitig und nachdruecklich einzumischen, zum Vorteil seiner Schueler und zum Nachteil potentieller Konkurrenten.

            Es ist mir nach wie vor unverstaendlich, dass ausgerechnet eine Habil.-Arbeit, mit der aus fachlicher Sicht ein neues Kapitel in der ‚Salztoleranzforschung’ aufgeschlagen wurde, nicht habilitationsfaehig gewesen sein soll. Auch aus langen Gespraechen mit Prof. K.H. Muehling, der selber ausgewiesener Salzexperte mit physiologischer Ausrichtung ist, und anderen, weiss ich, dass der seit Prof. A. Laeuchli in Deutschland in den 70ern verfolgte biochemisch physio-logische Forschungsansatz zweifellos zahlreiche interessante Erkenntnisse hervorgebracht hat, im Hinblick auf  konkrete Verbesserungen der Salztoleranz unter Feldbedingungen aber nicht den Hoffnungen entsprochen hat, trotz national und international erheblicher Aufwen-dungen. Es scheint mir daher auch im Interesse der traditionellen ‚Salztoleranzforschung’ zu liegen, ein neues Kapitel aufzuschlagen.

            Ich hoffe, Ihnen deutlich gemacht zu haben, dass die Ablehnung meiner Habilitationsarbeit aus wissenschaftlicher Sicht unbegruendet war. Gutachten, die zur Ablehnung fuehrten, haben nicht den ‚Ethischen Prinzipien, Werten und Tugenden des Systems Wissenschaft’ und der Habilitationsordnung entsprochen. Angesichts dieses Sachverhaltes halte ich eine Neubewer-tung meiner wissenschaftlichen Leistung fuer ueberfaellig und wuerde mich freuen, wenn wir gemeinsam zu einer sachgerechten und fairen Loesung meines Anliegens kommen.

Vorsorglich moechte ich Ihnen mitteilen, dass ich eine Ablehnung wegen des inzwischen vergangenen Zeitraumes nicht akzeptieren werde und auf Gleichbehandlung mit anderen, wesentlich weniger schwer wiegenden Faellen bestehen werde, zumal die aus wissenschaft-licher und moralischer Sicht fragwuerdigen Entscheidungen der Fakultatet und ihrer Gutach-ter mit erheblichen Einschnitten in meiner beruflichen Entfaltung und persoenlichen Lebens-fuehrung verbunden waren. Ich hoffe auf Ergebnisse, die Ihnen und mir juristische Auseinan-dersetzungen und andere Einflussnahmen ersparen, zumal ja wohl auch die Glaubwuerdigkeit der von Ihnen vertretenen  Fakultaet in Frage gestellt ist.

Ich bitte um eine umgehende Eingangsbestaetigung.

In der Hoffnung auf eine sachliche Einigung und besten Gruessen verbleibe ich

 

Ihr                          Uwe Schleiff

 

4 Anlagen: (1. Schreiben an CAU-Ombudsman vom 25.01.2013; 2. Publikationsliste;

3. DBG-Publikation 2012/13; 4. DFG-Habil.-Stipendium Doris Vetterlein)