Woertliche Abschrift des existenz-vernichtenden Gutachtens von Professor Dr. Konrad Mengel, Justus Liebig Universitaet Giessen, ehemaliger Leiter des Instituts fuer Pflanzenernaehrung.

Eingang bei Agrarwissenschaftlicher Fakultaet CAU Kiel am 2. Apr. 1984

(dieses Gutachten blieb 10 Jahre unter Verschluss)

G U T A C H T E N

zur Habilitationsschrift von

Herrn Dr. agr. Uwe Schleiff

Thema:   „Wasseraufnahme aus Salzboeden durch Wurzeln von Kulturpflanzen unterschiedlicher Salztoleranz unter besonderer Beruecksichtigung des Rhizobodens“.

Die Arbeit bringt drei interessante Ansaetze zur Frage der Salinitaet:

  1. Die Salzanreicherung in der Rhizosphaere.
  2. Das fuer einzelne Kulturpflanzen kritische osmotische Potential in der Rhizosphaere
  3. Die Bedeutung der Wurzellaenge fuer die Salztoleranz

Jedes dieser drei Themen haette ausreichend Stoff fuer eine originelle Habilitationsschrift dargeboten.

Zur Salzanreicherung in der Rhizosphaere wird streng genommen  vom Autor nur ein Ergebnis gebracht, naemlich die Anreicherung von Chlorid (Abb. 29) in Abhaengigkeit von der Zeit und von der Cl–Konzentration des Bewaesserungswassers. Alle weiteren im Gefaess durchgefuehrten Experimente koennen nicht als Untersuchungen an Rhizoboden gewertet werden, da ihnen ein essentielles Kriterium des Rhizobodens fehlt, naemlich die Dynamik (Stofftransfer) zwischen dem wurzelnahen Boden (Rhizosphaere) und dem wurzelfernen Boden. Sie bewirkt, wie in Abb. 29 dargestellt, massgeblich die Salzakkumulation in der Rhizosphaere. Diese Dynamik haengt, wie von Dr. Schleiff mehrfach betont, massgeblich von der Transpiration ab, muesste also einen Tag/Nacht-Rhythmus aufweisen. Nachts muesste es zu einer deutlichen, dem osmotischen Gefaelle folgenden Netto-Wasserverlagerung zur Wurzel kommen, die ihrerseits die Wasseraufnahme der Wurzel beguenstigen muesste, da dann ein ausgepraegtes Gefaelle zwischen Wasserpotential der Rhizosphaere und dem der Wurzel bestehen duerfte. Diese sich anbietende, hoch interessante Frage, einschliesslich der Frage der Ionenrueckdiffusion, wurden jedoch von Dr. Schleiff nicht experimentell untersucht. Mit der von ihm angewandten recht groben Versuchsstechnik sind die anstehenden Probleme allerdings nicht zu loesen. Dr. Schleiff haette jedoch wissen muessen, dass von Dr. M. Helal (FAL, Braunschweig: Ergänzung: Mengel-Schüler!) und auch von der Arbeitsgruppe Prof. A. Jungk, Goettingen, Versuchstechniken entwickelt wurden, mit denen sich die Salzakkumulation in der Rhizosphaere untersuchen laesst.

Die vergleichende Untersuchung zwischen Zuckerrueben (Abb. 31) und Gerste (Abb. 35) macht deutlich, dass der osmotischen Anpassung eine entscheidende Bedeutung zukommt. Die Zuckerruebe vermag durch erhoehte Aufname von Na+ und Cl das osmotische Potential ihrer Wurzelzellen besser abzusenken als die Gerste und dementsprechend staerker gebundenes Bodenwasser noch zu nutzen. Dieser Befund ist jedoch nicht neu. Interessant waere gewesen, die osmotischen Potentiale der Wurzeln mit denen der Rhizosphaere in der kritischen Phase der Wasseraufnahme zu untersuchen. Auch in dieser Hinsicht blieben die Bemuehungen Dr. Schleiffs in der Oberflaeche haengen.

Fuer das 3. Problem, Bedeutung der Wurzellaenge fuer die Salztoleranz gilt das Gleiche. Abb. 39 zeigt, dass bei anfangs gleicher Bodenfeuchte (-0.4 MPa) der Raps eine etwa 5fach hoehere Wasseraufnahme je g Wurzelmasse hatte als die Zwiebeln. Dementsprechend vermochte Raps den Boden schneller auszutrocknen, so dass der Raps auch unter niedrigen Wasserpotentialen (-1,2 MPa) sein H2O-Aufnahmevermoegen noch zeigen konnte. Die Zwiebeln hatten den Boden weniger stark ausgetrocknet, so dass ihr Wasseraufnahme-vermoegen unter trockenen Bedingungen nicht demonstriert werden konnte. Allein hieraus zu schliessen, dass die Zwiebel weniger salzvertraeglich ist als der Raps, ist unzulaessig. Auch die Annahme Dr. Schleiffs, dass die hoehere Wasseraufnahme des Raps auf sein groesseres Wurzelhaarzylindervolumen zurueckgeht, ist unbegruendet.

Tatsaechlich neue Erkenntnisse wurden mit keinem der aufgefuehrten Ergebnisse gewonnen1). Mehr als die Haelfte der Arbeit ist Einleitung, Uebersicht und auch Spekulation. Dieser Teil wirkt nicht so, als ob der Autor sein Gebiet souveraen beherrsche, weder seine physiologisch noch seine bodenkundliche Komponente. Wenn auf S. 49, Tab. 4 die Gehalte an osmotisch wirksamen Substanzen auf die Trockensubstanz und nicht auf die Frischsub-stanz (noch besser auf die Wassermenge des Gewebes) bezogen werden, so spricht das fuer wenig physiologisches Verstaendnis. Formulierungen, wie sie auf S.60/61 gegeben sind, geben zu der Vermutung Anlass, dass der Autor sich nicht darueber im klaren ist, dass zwischen osmotischem Potential und Matrixpotential eine permanente Gleichgewichts-beziehung besteht, und dass ein niedriges osmotisches Potential der Matrix Wasser entnimmt und umgekehrt. Aussagen wie auf S. 64 „Wasseraufnahmerate von Pflanzenwurzeln ist abhaengig vom osmotischen Potential der wurzelumgebenden Bodenloesung“ sind falsch. Die Wasseraufnahme ist abhaengig vom Wasserpotential. Auch bei einem relativ hohen osmo-tischen Potential, wie es die meisten Boeden des gemaessigten Klimabereiches darstellen, kann die H2O-Aufnahme niedrig bzw. unzureichend sein, naemlich dann, wenn das Was-serpotential (in diesem Fall hauptsaechlich durch das Matrixpotential bestimmt) niedrig ist.

Die Arbeit wird meiner Meinung nach nicht den Anforderungnen gerecht, die an eine Habilitationsschrift zu stellen sind.

1) Mein Kommentar: was in diesem von Ignoranz, Inkompetenz und Scheinheiligkeit geprägtem ‚Geschreibsel’ den Eindruck von Sachlichkeit und Kompetenz hinterlassen soll, konnte als so genanntes ‚Gutachten’ für die CAU deshalb durchgehen, weil auf diesem Arbeitsgebiet in Deutschland kein international relevanter Sachverstand vorhanden ist und ein Opportunist wie Prof. Konrad Mengel diese Chance erkannte, sich als Experten aufzuspielen, zumal ja sicher gestellt war, dass sein Gutachten anschliessend für ein Jahrzehnt in den Kellern der CAU verschwinden wuerde. Welch eine Chance! Er hat auch nicht anerkennen wollen, dass viele Teilergebnisse meiner Arbeiten schon in mehreren auslaendischen Zeitschriften publiziert und somit von zahlreichen Fachgutachtern im Ausland positiv bewertet worden waren.  Zur Sache:

  • wer hat denn weltweit als erster daraufhin- und nachgewiesen, dass osmotisches und matrisches Bodenwasserpotential nicht einfach addiert werden dürfen im Hinblick auf ihre Wirkung auf die Wasserversorgung von Pflanzen?    Uwe Schleiff
  • wer hat als erster erkannt und nachgewiesen, dass Wurzelmorphologie einen erheblichen Beitrag zur Salztoleranz bewässerter Kulturpflanzen zu leisten vermag? Uwe Schleiff
  • wer hat als erster erkannt, dass die Salzanreicherung im wurzelnahen Boden keineswegs unbegrenzt zunimmt, sondern pflanzenspezifische Maximalwerte existieren und diese messbar sind?  Uwe Schleiff
  • wer hat eine effiziente Technik entwickelt, mit der erstmalig quantitativ der Effekt von osmotischem und matrischem Wasserpotential von Rhizoboeden auf die Wasseraufnahme durch Wurzeln gemessen werden kann?       Uwe Schleiff
  • wer hat denn eine effektive Methode entwickelt, um aus osmotisch wirksamen Substanzen in der Trockensubstanz auf osmotische Werte in der Frischsubstanz schliessen zu koennen?  Na wer wohl:  Uwe Schleiff
  • und so weiter….

Angesichts dieses unqualifizierten Verrisses meiner Arbeit und Unterstellungen durch Prof. Konrad Mengel verstehe ich auch, warum der Herr Professor jedem Angebot zur Diskussion meiner Arbeit mit viel Phantasie aus dem Wege ging. (zum Beispiel Drang zum WC, von dem er nicht zurueckkam!). So ist er eben, dieser grosse ‚Held der Deutschen Pflanzenernährung’!!

Da muss ich seinem fleissigen Konkurrenten Prof. Horst Marschner, damals Professor für Pflanzenernährung an der Universität Hohenheim, fast Anerkennung zollen dafür, dass er das Potential meiner Arbeiten, die ich etwa 1977/78 in Saudi Arabien angefangen hatte, erkannte. Er setzte sich ab etwa 1979/80 dafür ein, dass ich meine Forschungen in dem von ihm geleiteten DFG-Schwerpunkt „Rhizosphäre“ einbringen konnte. Nur als sich in den drei Jahren, die ich in seinem Schwerpunkt mitarbeitete, tatsächlich ihm interessant erscheinende Ergebnisse fand und sich ein neues Konzept zum Verständnis der Salztoleranz heraus kristal-lisierte, da wurde es auch dieser ‚Ikone der wissenschaftlichen Sauberkeit’ denn doch zuviel der Innovationen. Er betrieb erfolgreich meinen Rauswurf aus dem DFG-Schwerpunkt und liess mein Konzept anschliessend in ‚eigener Regie’ weiter bearbeiten – welch kreatives Lehrstück dieses von seinen Proteges so hoch gepriesenen und ‚honorigen’ Herrn Prof. Horst Marschner: frühzeitige und erfolgreiche Eliminierung eines möglichen Mitbewerbers fuer die eigene Seilschaft!!

In Anbetracht der Tatsache, dass die unter Leitung von Prof. Horst Marschner durch-geführten Arbeiten das Potential meines Konzeptes trotz erheblichen Aufwandes nicht annähernd ausschöpften, werde ich das im Rahmen meiner Möglichkeiten als Privatier in eigenen Publikationen im internationalen Kontext nachholen (im nationalen Kontext ist dies nach wie vor nicht möglich; JPNSS Editor in Chief: Prof. Sven Schubert), zumal noch unveroeffentlichte Versuchsergebnisse vorliegen.

Schade um die ‚verbratenen’ Forschungs-Millionen der DFG und anderer Finanziers!!

Schleiff U (1987a): A vegetation technique to study the water uptake by roots from salinized rhizospheric soils. Z. Pflanzenernähr. Bo­denk. 150, 139-146

Schleiff U (1987b) A comparison of transpiration rates of young rape plants grown on soils of different texture. Z. Pflanzenernähr. Bo­denk. 150, 403-405

Schleiff U (2008) Analysis of water supply of plants under saline soil conditions and conclusions for research on crop salt tolerance. J. Agronomy & Crop Science, Vol. 194, issue 1, p. 1-8

Schleiff U (2010) The forgotten link in improving crop salt tolerance research under brackish irrigation – lateral soil salinity gradients around roots. In: Handbook of Plant and Crop Stress, 3rd edition; ed. Pessarakli M., Taylor & Francis Group, chapter 45, p. 1147 – 1154

Schleiff U, Muscolo A (2011) Fresh Look at Plant Salt Tolerance as Affected by Dynamics at the Soil/Root-Interface Using Leek and Rape as Model Crops. In: Dynamic Soil – Dynamic Plant. Ed. Flowers T and Muscolo A; Global Science Books (in press)

Schleiff U (in Vorbereitung) Soil based vegetation technique to quantify effects of rhizospheric soil osmotic and matric water potentials on crop salt tolerance