Woertliche Abschrift des Gutachtens von

Professor Dr. Hans PETER BLUME, CAU Kiel,

ehemaliger Leiter der Abteilung Bodenkunde am Institut fuer Pflanzenernaehrung und Bodenkunde

Eingang bei Agrarwissenschaftlicher Fakultaet CAU Kiel am 31. Jan., 1984

(dieses Gutachten blieb 10 Jahre unter Verschluss)

Gutachterliche Stellungnahme

Ueber die von Herrn D r.  U w e   S c h l e i f f  im Rahmen seines Habilitationsantrages zur Erlangung der Venia Legendi fuer das Fachgebiet „Pflanzenernaehrung“ vorgelegten Arbeiten

Herr Dr. Uwe Schleiff beantragt ein Habilitationsverfahren fuer das Lehrgebiet Pflanzenernaehrung unter Vorlage einer Reihe von wissenschaftlichen Publikationen, die eine besondere Habilitationsschrift ersetzen sollen.

Herr Schleiff studierte nach 18-monatiger landw. Praxis von 1965 – 1970 in Kiel erfolgreich Agrarwissenschaften und erreichte 1973 mit einer unter Professor Dr. Finck gefertigten Dissertation „Untersuchungen ueber die Ursachen von Salzschaeden an Kulturpflanzen in S-Italien mit besond. Beruecksichtigung der Mineralstoffversorgung und toxischer Mg-Wirkungen“ den Dr. agr. Seit 1974 ist er als wiss. Mitarbeiter am Leichtweiss-Institut fuer Wasserbau der Techn. Universitaet Braunschweig unter Professor Dr. Schaffer taetig. Waehrend der letzten 4 Jahre entstanden dort die 12 als Habilitationsleistung eingereichten Aufsaetze (insgesamt 118 Seiten, alle allein verfasst, davon 3 Kurzmitteilungen, 5 in englisch, 8 in Zeitschriften mit Gutachtersystem, 1 zum Druck eingereicht), die sich ueberwiegend mit der fuer den Bewaesserungsfeldbau in ariden Klimaten sehr bedeutsamen Wasserversorgung von Kulturpflanzen aus Salzboeden befassen. Ein starker Praxisbezug dokumentiert sich bereits in den Publikationsorganen (in Zeitschrift der Pflanzenernaehrung 4, der Bodenkunde 2, der Kulturtechnik und Bewaesserungswirtschaft 5, des Pflanzenbaues 1 Arbeit). Als zusammenfassende Darstellung im Sinne der Habilitationsordnung wurde eine umfangreiche Monographie (131 S.) zum Thema „Wasseraufnahme aus Salzboeden durch Wurzeln von Kulturpflanzen unterschiedlicher Salztoleranz unter besonderer Beruecksichtigung des Rhizobodens“ vorgelegt. Diese Arbeit befasst sich nicht nur mit den von S. entwickelten Methoden (11 S.) und erzielten Ergebnissen (26 S.) sondern versucht zunaechst die Literatur zum Thema auszuwerten (30 S.) und daraus Arbeitshypothesen und Untersuchungsziele abzuleiten (23 S.).  In meiner Wuerdigung der vorgelegten Habilitationsleistungen folge ich weitgehend dieser, die Denk- und Arbeitsweise des Habilitanden in besonderem Masse darstellenden Monographie.

Einleitend wird ein instruktiver Abriss ueber allgemeine und spezifische Salzschaeden beim Bewaesserungsfeldbau von Kulturpflanzen gegeben. Weniger ueberzeugend und nicht ganz fehlerfrei (z.B. S. 21: nicht der pflanzenverfuegbare Wassergehalt ist koernungs-abhaengig, sondern die entsprechende Kapazitaet) werden als Bodeneigenschaften, die das nutzbare Wasserangebot beeinflussen, nur Salzkonzentrationen und Koernung behandelt, hingegen z.B. nicht Lagerungsdichte und Aggregierung. Als Arbeitshypothese fuer den Einfluss der Transpiration auf das Bodenwasser wird dann postuliert, dass Wasserentzug auf Salzboeden zur Salzanreicherung in der Rhizosphaere fuehre, die eine weitere Wasser-aufnahme erschwere (waehrend das Matrixpotential sich dabei nicht aendern soll: Abb. 12). Dieses Modell fusst auf der klassischen Theorie einer Erschwerung der Wasseraufnahme durch osmotische Kraefte, obwohl seit Bernstein (1961), Kirkham (1972), Oertli (1976) u.a. bekannt ist, dass das allenfalls fuer salzempfindliche Pflanzen zutreffen kann, weil salz-tolerante Pflanzen dem durch osmotische Anpassung (Erniedrigung des osmot. Sprosspotentials durch Salzaufnahme) entgegenwirken. Auch Herrn Schleiffs Ergebnisse belegen das, denn er beobachtete beim Gefaessversuch mit Zuckerrueben Blattwelke bereits bei einem Matrixpotential des Bodenwassers von -1.5 bar, waehrend ein osmotisches Potential von -12 bar den Wasserentzug noch nicht beeintraechtigte (Abb. 31).

In einem Feldversuch in Saudiarabien und mehreren Gefaessversuchen mit vorrangig sandigen Boeden sowie Pflanzen unterschiedlicher Wurzelmorphe und Salztoleranz (Zwiebel, Raps, Mais, Zuckerruebe, Gerste) hat er in (methodisch originellen) Kurzzeitversuchen die Wasser- und Salzdynamik der Rhizosphaere und der Pflanzen studiert. Hierzu wurden Methoden mit dem Ziel (weiter) entwickelt, Vereinfachungen der Analytik zu erreichen. Voll gelungen ist ihm dies mit einer (auf EC-Messungen beruhenden) Gipsbestimmung, die inzwischen international in Gebrauch ist. Die Osmolalitaet (als Mass fuer die osmot. Spross- und Wurzelpotentiale Ψo) wurde an Essigsaeureauszuegen getrockneter/gemahlener Pflanzenproben bestimmt (leider nur Unbedenklichkeit der Essigsaeure, nicht die der Trocknung und eines weiten Trockenmasse:Fluessigkeits-Verhaeltnisses ueberprueft). Das Turgorpotential wurde aus RWC (relative Wassergehalt n. Kreeb) und Ψo bei Welke und Wassersaettigung abgeleitet (hier waere Eichung mittels Druckkammer wuenschenswert gewesen).

Herrn Schleiff sind eine Reihe eindrucksvoller Ergebnisse gelungen, die bisherige Kenntnisse ueber unterschiedliche Salztoleranzen verschiedener Pflanzenarten bestaetigt und erweitert haben. Er konnte auch gesicherte Beziehungen zwischen den Wasserpotentialen in Boden und Pflanze unter Stresssituationen feststellen. Bei der Deutung der Ergebnisse haette ich mir hingegen eine staerkere Auseinandersetzung mit Alternativen gewuenscht. So werden z.B. Cl- und Na-Anreicherung in der Rhizosphaere als Beleg fuer einen Ψo-bedingten Wasserstress angesehen, obwohl sich das im speziellen Fall auch durch selektive Naehrstoffaufnahme erklaeren liesse. Aus Unterschieden im Spross- Ψo zwischen Abend und Morgen wird eine naechtliche Salz-Rueckdiffusion aus der engeren Rhizosphaere postuliert, was wohl eher durch naechtliches (r) Wurzelwachstum bzw. Wasserfluss zur Wurzel und/oder durch Einfluesse unterschiedlicher Temperaturen und Feuchten der bodennahen Luftschicht verursacht sein duerfte. Durch Modifikationen in Versuchsanstellung und Auswertung haetten sich eindeutigere Aussagen erreichen lassen.

Da auch manche Formulierungen zeigen, dass Herr Schleiff sein Fachgebiet noch nicht ganz in der notwendigen Breite beherrscht, waeren eigentlich ergaenzende Studien (z.B. im Rahmen eines Habilitationsstipendium) vor Erteilung der Venia zu empfehlen. Sollten die kompetenten Fachgutachter der Pflanzenernaehrung jedoch fuer eine Weiterfuehrung des Verfahrens plaedieren, wuerde ich mich dem anschliessen1).

1)Mein Kommentar: bei diesem Gutachter, dem Herrn Prof. Hans-Peter BLUME, der seitens der Agrarwissenschaftlichen Fakultaet der CAU mit der Abwicklung meines Habilitationsverfahrens bestellt wurde und quasi als ‚Obergutachter’ fungierte, stellt man sich zwangslaeufig die Frage, wie ernst er denn seine eigenen Empfehlungen/Grundsaetze nimmt! Er zieht in Betracht, dass er als Bodenkundler möglicherweise nicht umfassend kompetent ist, eine so komplexe Arbeit sachgerecht beurteilen zu koennen und will sich deshalb dem Urteil ‚kompetenter Fachgutachter der Pflanzenernaehrung anschliessen’ – ein nachvollziehbarer Vorsatz. Nur – wie haelt Herr Professor Blume es denn nun konkret mit seinem selbst formulierten, sehr berechtigten Vorsatz? Den Unterlagen, die mir die Agrarwissenschaftliche Fakultaet nach wiederholter Anfrage zustellte, ist zu entnehmen, dass Prof. H.P. Blume drei Fachgutachter aus dem Fachgebiet Pflanzenernaehrung um ein Gutachten gebeten hat: Prof. Arnold Finck, Prof. Anton Amberger und Prof. Konrad Mengel. Von diesen drei Gutachtern haben sich Prof. Dr. Arnold Finck und Prof. Dr. Anton Amberger eindeutig fuer die Annahme der Arbeit ausgesprochen (siehe Gutachten). Der dritte Gutachter, Prof. Dr. Konrad Mengel, sprach sich eindeutig gegen die Annahme der Arbeit aus. Wie Prof. Blume aus diesem Verhaeltnis von 2:1, dass sich also zwei Gutachter fuer und einer gegen die Annahme aussprachen, konstruieren kann und dass seine Ablehnung im Einklang mit den Fachgutachtern steht, muss man wohl seinem sehr subjektiven Verstaendnis von Mathematik zuordnen.

Auch sein Vorgehen bei der Auswahl von Gutachtern ist irritierend. Professor Dr. Gerhard Schaffer von der bodenkundlichen Abteilung des Leichtweiss-Institutes der TU Braunschweig, der meine wissenschaftliche Arbeit zwischen 1974 und 1983 aus unmittelbarer Nähe begleitete und ja auch viele Jahre der Antragsteller fuer die DFG-Finanzierung war, wurde nicht einmal am Rande in die Begutachtung einbezogen. Wenn es um die fachliche Seite der Arbeit gegangen waere, Prof. Gerhard Schaffer war sicher nicht weniger kompetent als H.P. Blume selber und die von ihm ausgesuchten Professoren, obwohl ja ‚nur’ C3-Professor. Oder spielten hier ganz andere Gesichtspunkte eine Rolle: sah der Herr Prof. H.P. Blume hier eine Gelegenheit, auf meinem Rücken ‚schmutzige Waesche’ aus früheren Zeiten mit Herrn Schaffer an der Uni Hohenheim zu waschen?

Und wie steht es nun eigentlich mit dem Inhaltlichen dieses Gutachtens. Von den vielen fachlich unbegruendeten Kritikpunkten werde ich hier nur einige mir besonders eklatant erscheinende aufgreifen:

●         Die Aussage von H.P. Blume, nur bei salzempfindlichen Pflanzen würde die Wasseraufnahme durch ansteigende Salzgehalte in der Rhizobodenlösung reduziert, aber nicht bei salztoleranten Kulturpflanzen, ist falsch (Ausnahme lediglich für Halophyten, die man ja wohl nicht zu den Kulturpflanzen zählen kann, und das auch nur in einem bestimmten Bereich!).

●         Als Bodenkundler nimmt H.P. Blume kritisch Stellung zu meiner Methode zur OES-Bestimmung als Mass zur Bestimmung osmotischer Potentiale in Pflanzen bei unterschiedlichen Wassergehalten. Lobenswert, dass er sich als Fachfremder damit befasst! Nur haette ihm da nicht die unberechtigte Kritik des von ihm bestellten Gutachters Prof. K. Mengel auffallen muessen, ich wuerde angeblich die Bedeutung des Pflanzenwassergehaltes fuer das Wasserpotential in Pflanzen nicht beruecksichtigen? Denn in meinen dies bezueglichen Formeln spielt der Wassergehalt ja neben OES die entscheidende Rolle, das geht eindeutig aus mehreren der eingereichten Publikationen hervor. Wollte er auch das nicht zur Kenntnis nehmen? Oder woran mangelte es sonst?

●         Als Bodenkundler macht Herr Blume sich Gedanken, ob nicht etwa Fragen der Naehrstoffaufnahme (e.g. K/Na-Antagonismus, Ca- und/oder NO3-Aufnahme) in meiner Arbeit vernachlaessigt wurden. Keiner der drei beteiligten Pflanzenernaehrer, nicht einmal Herr Konrad Mengel, hat das beanstandet. Und ich selber hatte diese Frage schon in meiner Dissertation ausfuehrlich abgehandelt, was Herrn Blume auch bekannt war. In der Tat habe ich diese Problematik nicht wieder aufgegriffen, weil die Fachliteratur voll mit solchen Untersuchungen ist und hier kaum neue und Richtung weisende Erkenntnisse zu erwarten sind. Die von mir aufgegriffene Thematik bedeutet dagegen einen erheblichen Fortschritt, wenn man den aktuellen Wissenstand zugrunde legt. Im Uebrigen war in allen Versuchen eine optimale Naehrstoffversorgung der Pflanzen sicher gestellt. Wie Prof. Blume zu der Behauptung kommen, dass der Stress ‚sich im speziellen Fall auch durch selektive Naehrstoffaufnahme (an Stelle eines einen Ψo-bedingten Wasserstress) erklaeren liesse’, wird mir ein Raetsel bleiben und von ihm auch nicht erklärt. Eine fachliche Begruendung fuer diese Vermutung des Herrn Professors Blume, nein wozu denn, das Gutachten verschwindet ja in den Kellern der CAU!

●         ‚Erfrischend’ ist in jedem Fall das Resume seines Gutachtens: keine ganz direkte, sondern eine etwas verklausulierte Ablehnung der Arbeit mit der Empfehlung, es doch mal mit einem Habilitationsstipendium zu versuchen. Da konnte er auch sicher sein, dass (ohne sein direktes Zutun!) eine definitive Ablehnung erfolgen wuerde, weil dort im Wesentlichen wieder die zu meiner Arbeit negativ eingestellten Seilschaften zu entscheiden haetten. Und das ganze Theater mit dem Hinweis, ‚ dass Herr Schleiff sein Fachgebiet noch nicht ganz in der notwendigen Breite beherrscht’ – und dieses Urteil ausgesprochen von jemandem, dessen Name in Fachkreisen der Bewaesserung und Salztoleranz von Kulturpflanzen nie auch nur eine marginale Rolle spielte. Was meint der Prof. HP Blume  eigentlich mit dem Mangel an ‚notwendiger Breite’ meiner Arbeit? Im Gegensatz zu seinem Urteil wird in der Einleitung des Gutachtens von Konrad Mengel gerade der breite Ansatz meiner Arbeit heftig kritisiert, hat er auch das uebersehen, wie so manches?