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Irrigation+Salinity – Fertilizers+Agronomy – Soils+Environment

Dr. Uwe Schleiff Tel./Fax  ++49-(0)5331 – 90 74 40
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An den Präsidenten der DFG

Professor Dr. E.-L. Winnacker

Kennedyallee 40

53175  BONN 14.04.04

 

betr.: Regeln der DFG und Hochschulen ‚zur guten wissenschaftlichen Praxis’; Wenn diese Regeln noch Bedeutung haben: Prüfung der Frage, ob diese Regeln von den Antragstellern Jahn R. und/oder Vetterlein D., Univ. Halle, bezüglich des/der Forschungsvorhaben, das sich mit der Wasseraufnahme durch Wurzeln in Beziehung zum osmotischen und matrischen Wasserpotentialen in der Rhizosphäre befasst, eingehalten wurden.

Sehr geehrter Herr Professor Winnacker,

ich nehme Bezug auf den Beschluss Ihres Hauses vom 17.6.1998, in dem es um die Einhaltung von ‚Grundsätzen zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis’ geht und bitte zu prüfen, ob diese Grundsätze im o.g. Fall (Jahn/Vetterlein) eingehalten wurden.

Als unabhängiger Gutachter (seit über 15 Jahren) bin ich nach wie vor an wissenschaftlichen Entwicklungen in der Bodenkunde und Pflanzenernährung in Deutschland interessiert. Insbesondere verfolge ich Arbeiten zu Fragen der Bodenversalzung, der Salztoleranz von Pflanzen und der Bewässerung mit Brackwasser, weil ich auf diesen Gebieten als Pflanzenernährer/Bodenkundler (Promotion bei Prof. Dr. A. Finck, Univ. Kiel) und bei Wasserbau-Ingenieuren (Technische Universität Braunschweig) viele Jahre wissenschaftliche und praktische Erfahrungen sammeln konnte (siehe Anlage Publikationsliste).

Nach Hinweisen von Fachkollegen stiess ich in den diesjährigen DBG-Mitteilungen (Band 102/Heft 2, 2003, S.357/8) auf sehr interessante Ergebnisse aus einem DFG-finanzierten Forschungsvorhaben. Zitat: ‚In neuerer Literatur findet man zahlreiche Hinweise darauf, dass Ψo und das Matrixpotential nicht, wie im Ansatz von Wadleigh & Ayers (1945), einfach additiv im Bezug auf die Wasserverfügbarkeit für die Pflanze zu betrachten sind, d.h. dass die Bedeutung des Ψo für die Wasserverfügbarkeit überschätzt wird (Vetterlein & Jahn 2003)’. Vertieft wird dieses Thema in weiteren Publikationen der Autoren, z.B. in ‚Gradients in soil solution composition between bulk soil and rhizosphere – In situ measurement with changing soil water content’, Plant and Soil, 2003, in press): ‚whether soil solution osmotic potential and matric potential are really additive in respect to plant water availability is under debate. Therefore the importance of salt accumulation in the rhizosphere for plant water relations is difficult to evaluate (Vetterlein and Jahn 2002).’

Das von den Autoren angesprochene Thema ist von grundsätzlicher Bedeutung für viele offene Fragen, die mit dem international hoch aktuellen Thema Bewässerung mit Brackwasser (‚saline irrigation’) und Salztoleranz von Pflanzen zusammen hängen. Vetterlein und Jahn selber weisen jedoch zurecht auf die Fragwürdigkeit von Erkenntnissen aus den 40er Jahren hin (Wadleigh and Ayers 1945: Additivität von Ψo und Ψm), die noch heute verbreitete Lehrmeinung sind, die sie aber mit eigenen Experimenten widerlegen können. Ich stimme ihren begründeten Zweifeln nicht nur ausdrücklich zu, sondern möchte klar stellen:

Diese Erkenntnisse der Autoren sind richtig, aber keineswegs so neu, wie  es von ihnen  dargestellt wird. Sie wurden bereits erstmalig in den Jahren 1983 und 1984 (s. Anlage Nr. 11&12) quantitativ belegt. Neu sind sie nur dem Wissenschaftler, der diese eindeutigen Ergebnisse, die bereits im Rahmen des DFG-Schwerpunktes ‚Rhizosphäre’ (Leitung H. Marschner) Anfang der  80er Jahre gewonnen wurden, übersehen oder  ignoriert hat.

Angesichts der Tatsache, dass die Erkenntnisse zur Wirkung osmotischer und matrischer Wasserpotentiale von Rhizoböden unterschiedlicher Textur auf die Wasseraufnahme durch Pflanzen unterschiedlicher Salztoleranz in mehreren international anerkannten Fachzeitschriften veröffentlicht wurden (siehe Anlage: 3.-8., 10.-16.), ist von der Sache her auch kaum verständlich, weshalb die Autoren nicht auf diese Erkenntnisse zurück gegriffen haben. Sie hätten erkennen müssen, dass diese Fragen, die wichtig sind, bereits umfassender bearbeitet worden sind, als sie es trotz ihres technischen Aufwandes vermochten. Und selbst wenn die Autoren oder beteiligte Gutachter der Auffassung sind, die damaligen Ergebnisse wären unzulänglich und bedürften ergänzender Untersuchungen etc, so ist das nachzuweisen. Eine derart merkwürdige Ignorierung spricht aus fachlicher Sicht kaum für eine handwerklich saubere Arbeit, zumal Methoden und Ergebnisse ja in anerkannten Fachzeitschriften publiziert wurden.

Kaum vorstellbar ist auch, dass die zahlreichen ehemaligen Kollegen aus der Wissenschaft, die sich damals mit den Forschungsergebnissen als Mitglieder des DFG-Schwerpunktes oder als Gutachter teilweise sehr intensiv mit der Thematik auseinander gesetzt haben, die Neuauflage dieser Forschungsarbeiten für notwendig erachteten, ohne die vorliegenden Erkenntnisse zu berücksichtigen. Einige von ihnen sind ausgeschieden, andere sind noch heute ‚im Geschäft’. [z.B. die Professoren Horst und Fischer (Hannover), Horn und Blume (Kiel), Claassen und Jungk (Göttingen), Römheld (Stuttgart)].

Es dient doch sicher nicht dem Niveau, der Effizienz und dem internationalen Ansehen der Wissenschaft dieses Landes, wenn man Erkenntnisse nur dann gelten lässt, wenn sie unter den Fittichen ‚dominanter Seilschaften’ gewonnen werden und gleichzeitig neue Erkenntnisse, die von Wissenschaftlern ausserhalb solcher Seilschaften oder gar interdisziplinär gewonnen werden, schlicht verdrängt oder gar bekämpft, zumal wenn die Thematik von zunehmendem internationalen Interesse ist.

Es geht nicht darum, irgendjemanden persönlich oder gar ungerechtfertigt anzuschuldigen. Um so entschiedener geht es aber um die Prüfung, ob hier nicht ein erheblicher Verstoss gegen Regeln, die sich Hochschulen und DFG gegeben haben und nach diversen Vorkommnissen sicher auch unbedingt nötig waren, vorliegt. Es wurden auch hier ja erhebliche finanzielle Mittel aufgewendet für die Gewinnung von Erkenntnissen, die längst vorlagen (seit 1984).

Die DFG hätte auf dem Arbeitsgebiet ‚saline irrigation’ sicher einen international beachtenswerten Beitrag liefern können, wenn sie die gleichen Steuergelder nicht für eine aufwendige und überflüssige Bestätigung vorhandener Erkenntnisse ausgegeben hätte, sondern auf den umfassenden Vorkenntnissen aufgebaut hätte. Das wurde nur leider nicht gemacht.

Dieses Schreiben schicke ich per Einschreiben und gehe zunächst davon aus, dass es nicht im Papierkorb landen wird wie meine Email gleichen Inhalts vom 08.02.04, die an die Mitarbeiterinnen Ihres Hauses Frau Schmitz-Moeller und Frau Velke gerichtet war.

Diese Angelegenheit wird bereits diskutiert. Wenn es zu einer gründlichen Klärung beiträgt, kann sie auch in einem grösseren Rahmen publik gemacht werden.

Ich bitte um eine baldmöglichste Eingangsbestätigung und Stellungnahme.

Mit freundlichem Gruss,


Anlage: Publikationsliste

  1. Schleiff U., 1979: Salt contents in the rhizosphere and in soil solution outside the rhizosphere under controlled irrigation. In: Soils in Mediterranean type climates and their yield potential. Proc. 14th colloq. Int. Potash Institute, Bern, 93-98
  2. Schleiff U., 1980: Chloride content of onion roots and their adhering soil under irrigation with saline drainage water. Z. Pflanzenernaehr. Bodenk. 143, 638-644
  3. Schleiff U., 1981a: Osmotic potentials of roots of onions and their rhizospheric soil solutions when irrigated with saline drainage water. Agricultural Water Managem. 3, 317-323
  4. Schleiff U., 1981b: Determination of maximum salt concentration in the rhi­zospheric soil solution due to transpiration of young maize plants. Mitt. d. Dtsch. Bodenkundl. Gesellsch. 32, 1981 (in German)
  5. Schleiff U., 1982a: Dynamics of salts in the rooted soil and its significance for the water supply of crops – an overview. Z. f. Kulturtechnik u. Flurbereinigung 23, 38-49,
  6. Schleiff U., 1982b: Maximum salt concentration in the rhizospheric soil solution of young sugar beets in dependence from the salt adaptation of their shoots. Plant&Soil 66, 397-404
  7. Schleiff U., 1982c: Water uptake of young sugar beets in relation to the salt concentration of   the rhizospheric soil solution. Z. Pflanzenernähr. Bodenk. 145, 436-447
  8. Schleiff U., 1982d: Maximum salt concentration in the rhizospheric soil solution of young sugar beets. Plant and Soil 64 (3), 307-314
  9. Schleiff U., 1983a: Effect of different water application intervals with saline water on the salt tolerance of maize. Z. Acker- und Pflanzenbau 152, 9-18, 1983 (in German)
  10. Schleiff U., 1983b: Water uptake of barley roots from rhizospheric soil solution of different salt concentrations. Irrigation Science 4, 177-189, 1983
  11. Schleiff U., 1983c: Salt-tolerance of crops with special reference to the salinity of the rhizospheric soil. unpublished paper, p.63 and 101
  12. Schleiff U. and Schaffer G., 1984:       The effect of decreasing soil osmotic and soil matric water potential in the rhizosphere of a loamy and a sandy soil on the water uptake rate of wheat roots. Z. Acker- und Pflanzenbau 153, 373-384
  13. Schleiff U., 1986: Water uptake by barley roots as affected by the osmotic and matric potential in the rhizosphere. Plant and Soil 94, 143-147
  14. Schleiff U., 1987a: A vegetation technique to study the water uptake by roots from salinized rhizospheric soils. Z. Pflanzenernähr. Bodenk. 150, 139-146, (in German)
  15. Schleiff U., 1987b: A comparison of transpiration rates of young rape plants from salinized soils of different texture. Z. Pflanzenernähr. Bodenk. 150, 403-405
  16. Schleiff U., 2003: Handbook ‘Salinity&Soil Fertility Kit’ – a portable field lab for soil, water and plant analysis. http://salinity.schleiff.net; self-published, Wolfenbüttel
  17. Schleiff U., 2004: Research aspects for crop salt tolerance under irrigation with special reference to root environment (in preparation)

 

Antwort der DFG auf den Brief:

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