Betreff: unsergespraech15jun
Datum: Thu, 18 Jun 2015 16:09:59 +0200
Von: Uwe Schleiff <schleiff@salinity.de>
An: Uni Kiel Muehling <khmuehling@plantnutrition.uni-kiel.de>
Kopie (CC): CAU kiel praes sekr frau geissler <dgeissler@praesidium.uni-kiel.de>

Prof. Karl H. Muehling
Institut fuer Pflanzenernaehrung und Bodenkunde
Christian-Albrecht-Universitaet Kiel
D-24118 Kiel

Lieber Herr Muehling,

es war mir ein grosses Anliegen, Sie als Nachfolger von Herrn Prof. Finck persoenlich kennenzulernen. Ich weiss sehr wohl zu schaetzen, dass Sie sich trotz Ihrer hohen Arbeitsbelastung und Ihren vielen Funktionen ueber vier Stunden Zeit genommen haben, Probleme aus unserer persoenlichen Vergangenheit und vor allem auch fachlich wissenschaftliche Aspekte der ‚Salztoleranzforschung‘ besprechen zu koennen. Es freute mich insbesondere zu hoeren, dass auch Sie die Notwendigkeit sehen, in die ‚Rhizosphaerenforschung + Salztoleranz‘ einsteigen zu muessen, wenn man etwas Konkretes fuer die Bewaesserungslandwirtschaft erreichen will. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, wird das aktuell nach Rueckkehr Ihres Mitarbeiters aus Belgien. Gerne nehme ich da auch Ihre Anfage an, dann zu diesem Thema einen Vortrag in Ihrem Hause zu halten.

Wie Sie wissen, habe ich diese Forschungsrichtung schon Ende der 70er im Anschluss an eine Feldstudie in Saudi Arabien fuer besonders viel versprechend gehalten, was mir damals in Deutschland zwar nicht abgenommen wurde, international aber noch heute grosse Resonanz findet. Nach wie vor erhalte ich Einladungen, um ueber das Thema meiner Habil-Schrift von 1983/85 ‚Salztoleranz von Kulturpflanzen unter besonderer Beruecksichtigung der Salzgehalte des wurzelnahen Bodens‚ zu referieren oder Publikationen einzureichen.

Wir haben uns auch ausfuehrlich ueber das ‚Schicksal‘ meines Habil-Verfahrens unterhalten, das auch Sie aus fachlicher Sicht fuer inakzeptabel halten. Die Ablehnung dieser Arbeit war offensichtlich nicht fachlich basiert, zumal wenn man auch die relevante Fachliteratur nach 1985 einbezieht. Immerhin beruhte die Ablehnung durch die Fakultaet auf nur einem einzigen negativen Gutachten (Prof. K. Mengel/Giessen), waehrend alle andern Gutachten positiv waren. Wenn man die positive Beurteilung meiner ‚peer-reviewten‘ Publikationen einbezieht, so standen dem einen negativen etwa 25 positive gegenueber. Daraus eine schlechte Habilitationsleistung abzuleiten, ist aus meiner Sicht so etwas wie eine ‚ueberragende Glanzleistung‘ der Fakultaet dafuer, dass wissenschaftliche Originalitaet und Leistung kein Beurteilungskriterium waren. Im Nachhinein ist wohl auch der Agrar-Fakultaet aufgefallen, dass man die Moeglichkeiten des Missbrauches und Willkuer einer Habilitationsordnung durch Professoren der Fakultaet zugunsten einer objektiveren Bewertung einschraenken muss. In der Habil-Ordnung vom 22.Juli 2011 heisst es daher ausdruecklich unter §9 (1):… Die Entscheidung darf nicht von der mehrheitlichen Empfehlung der Gutachter oder Gutachterinnen abweichen.  Es spricht meiner Ansicht nach nicht zwangslaeufig fuer die Serioesitaet einer Professorenschaft, wenn man ihr solche Selbstverstaendlichkeiten vorschreiben muss. Waeren die Fakultaet oder Mitglieder des Habilitationsausschusses wie Sie dazu bereit, diesen Grundsatz nachtraeglich auf meine Habilitationsarbeit anzuwenden, waere meiner Ansicht nach eine Rehabilitierung faellig. Das wollen Sie wohl vermeiden, aber in diesem Zusammenhang moechte ich auch an eine Aussage Ihres Vizepraesidenten Prof. Frank Kempken in 2013 erinnern, dass man eine bessere Qualitaetskontrolle anstrebe und es auch ‚keine Verjaehrungsfrist geben‘ wird. Ist das alles nur Makulatur zur Beruhigung der Oeffentlichkeit?

Nur wenn man die Auffassung vertritt, Ungerechtigkeiten in der Vergangenheit lieber ‚unter den Teppich kehren‘ zu wollen als aufzuklaeren (Zitat aus DFG-Empfehlungen zur ‚Selbstkontrolle in der Wissenschaft‘, Sept. 2013), muss man sich nicht wundern, wenn der Geschaedigte sich des Internets bedient (www.pedologenfilz.de), um auf unredliches Verhalten aufmerksam zu machen. Dass ich damit der Reputation der Fakultatet schade, fuer die Sie Mitverantwortung tragen, tut mir leid (es ist ja auch meine Uni!), nur solange diese Uni entgegen allen Versprechungen nicht zur Aufklaerung unredlichen Verhaltens beitraegt, laesst sich das leider nicht verhindern, sondern erscheint mir sogar im Interesse eines nachhaltig guten Rufes notwendig zu sein. Nach wie vor lege ich grossen Wert auf eine inhaltlich korrekte Bewertung meiner wissenschaftlichen Arbeit, die aus meiner Sicht auch meine spaeteren Publikationen zur gleichen Thematik einbeziehen kann. Immerhin hat mir die Ablehnung der Habil. auch eine erfolglose Bewerbung um eine C3-Professur auf dem Gebiet der Bewaesserung eingebracht. Und meine Rente bewegt etwas oberhalb Hartz_IV Niveau. Aus meiner Sicht ist dies die unmittelbare Folge des unredlichen Habilitationsverfahrens, das weit davon entfernt war, den ‚Regeln guter wissenschaftlicher Praxis‘ zu entsprechen. Mit meiner Arbeit wurde das vorhandene Wissen nicht nur um Teilaspekte ergaenzt, sondern es wurde ein neues, bisher uebersehenes Kapitel in der ‚Salztoleranzforschung‘ aufgeschlagen. Das lag nicht im Interesse des Mainstreams und musste ‚abgewuergt‘ werden. Eine fachliche Neubewertung waere ueberfaellig, ist bisher aber nicht erfolgt.

Wenn Sie den Eindruck von mir bekommen haben, dass ich nicht eher Ruhe geben werde, bevor ich etwas Gerechtigkeit erfahren habe, liegen Sie richtig.

Ihren Hinweis, mich mit meinem Anliegen auch an die Syndika Frau Geissler, zu wenden, nehme ich gerne an. Sie erhaelt eine Kopie.

Ich danke Ihnen nochmals fuer das ausfuehrliche Gespraech und wuensche Ihnen weiterhin viel Erfolg in Ihrer Arbeit.

Mit den besten Gruessen,     Ihr    Uwe Schleiff