Ministerium für Bildung und Wissenschaft

Frau Prof. Dr. Waltraud Wara Wende

Brunswiker Strasse 16-22

24105 KIEL

 

 

07.07.2014

 

Habilitationsarbeit ‚Salztoleranz von Kulturpflanzen unter besonderer Berücksichtigung der Salzgehalte des wurzelnahen Bodens’

 

Sehr geehrte Frau Ministerin,

sehr geehrte Frau Professor Wende,

sehr geehrte Frau Janus,

vielen Dank fuer Ihr Schreiben vom 05.05.2014, in dem Sie ein wenig Verstaendnis fuer meine Enttaeuschung ueber Ihre Entscheidung andeuten. Ich habe verstanden, dass Sie eine Anwendung der Kriterien ‚wissenschaftlichen Fehlverhaltens’ auf meine Arbeit konsequent ablehnen, weil deutliche Hinweise auf Fehlverhalten und darueberhinaus auch eine missbraeuchliche Anwendung der Habilitationsordnung vorliegen. Im Einklang mit der CAU lehnen Sie auch eine fachlich inhaltliche Ueberpruefung beispielsweise im Rahmen eines Vortrages und einer Diskussion ab. Was das mit Transparenz etc zu tun hat, ist mir unverstaendlich.

Die Moeglichkeiten einer missbraeuchlichen Interpretation der HO von 1976, wie von der Fakultatet + Blume. Vorgenommen und die ich seit jahren anprangere, haben schliesslich konkret dazu gefuehrt, dass in die HO 2011 folgender Passus aufgenommen wurde: … allein die Tatsache, dass ein solcher passus aufgenommen werden musste, spricht baende ueber das … profs der Fakultatet.

Mein eindruck: es fehlt der mut, eine pruefung durchfuehren zu lassen, weil es in der Fakultatet an fachlicher kompetenz und moralischer … mangelt.

Es bleibt dabei: ablehnung beruht auf inkompetenz und ignoranz, und beides ist nach ansicht der cau akzeptabel- und deshalb scheut man die aufklaerung , alles unter den teppich kehren

Der konkrete wille zur aufklaerung von missbrauch und fehlverhalten sehr unterwickelt, so dass auch in derzukubft keine ahndung befuerchten muss, alles unter dem motto freiheit fuer wissenschaft + forschung

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Sie und die Kommission zur Untersuchung von Vorwuerfen wissenschaftlichen Fehlver-haltens der CAU führen als Grundlage für die Ablehnung meiner Habilitationsarbeit die Habilitationsordnung (HO) des Fachbereichs Agrarwissenschaften aus dem Jahre 1976 an. Von mir wird jedoch die Anwendung der aktuellen DFG-Empfehlungen zur ‚Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis’ auch auf meinen Fall für dringend erforderlich gehalten. Ein Rückzug auf rein formale Kriterien gefährdet bei Entscheidungen dieser Art die Glaub-wuerdigkeit und damit die eigentliche Zielsetzung der gesamten DFG-Aktion. Denn die DFG-Empfehlungen beinhalten in jedem Fall auch eine umfassende fachliche Komponente, die hier von der CAU trotz der von ihr proklamierten ‚Vorreiterrolle’ bei der Aufarbeitung von wissenschaftlichem Fehlverhalten auch in der Vergangenheit leider strikt abgelehnt wird.

Ich moechte aber auch zu Ihrer Auffassung, dass die Ablehnung der Habilitation ‚im Rahmen der damaligen Habilitationsordnung ordnungsgemaess getroffen wurde’, Stellung nehmen.

Die Ablehnung meiner Habilitationsarbeit einschliesslich Publikationen erfolgte, weil sie zweifelsfrei zahlreiche neue Erkenntnisse zum Problem der Salztoleranz im Bewaesserungs-feldbau vorstellte, diese aber seitens zweier Gutachter schlicht abgestritten (Gutachten Mengel) und/oder ignoriert (Gutachten Blume) wurden. Einige wesentliche Erkenntnisse widersprachen der damaligen Lehrmeinung, wurden aber Jahre spaeter auch von andern Autoren bestaetigt (Frage der additiven Wirkung von osmotischem und matrischem Boden-wasserpotential). Andere Erkenntnisse waren ein bis dahin unbeachteter Aspekt, der aber inzwischen Eingang in die internationale Fachliteratur gefunden hat (Zusammenhang Wurzelmorphologie und Salztoleranz, siehe Anlage Publikationsliste).

Da die Fakultaet sich insbesondere das strittige Mengel-Gutachten unkritisch zueigen machte und so die ‚neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse’ (HO 1976, § 2 (2) meiner Arbeiten einfach ignorierte, liegt hier ein klarer Verstoss gegen die damalige HO vor. Das geltende Recht wurde nicht eingehalten.

Unter § 3 der HO ist zu lesen, dass ‚dem Bewerber Gelegenheit zu geben ist, zu vorgebrach-ten Bedenken Stellung zu nehmen’. Dazu hat es bis heute keine Gelegenheit gegeben, trotz wiederholter Angebote meinerseits, meine Arbeiten und Ergebnisse beispielsweise im Rahmen eines Vortrages zur Diskussion zu stellen. Auch hier wurde das damals geltende Recht nicht eingehalten.

In Anbetracht dieser Sachverhalte kann ich Ihrer Argumentation nicht folgen, dass die Ablehnung meiner Habilitationsarbeit voll umfaenglich der damaligen HO entsprochen hat. Ich sehe grobe Verstoesse und moechte Sie bitten, Ihre Entscheidung vom 24.03.2014 zu ueberdenken und bitte um Nachricht.

Sie werden verstehen, dass ich mein Anliegen weiter verfolge.

Mit freundlichem Gruss,       Ihr

 

1 Anlage: Publikationsliste Schleiff