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Irrigation & Salinity – Fertilizers & Crops – Soils & Environment

Dr. Uwe Schleiff Fon +49-(0)5331-907440

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D-38289 WOLENBUETTEL http://www.salinity.de

 

An den Ministerpraesidenten SH

Herrn Torsten Albig – Staatskanzlei

Duesternbrooker Weg 104

24105 KIEL

 

Wolfenbuettel, 08.01.2016

Betr.: Dienstaufsichtsbeschwerde wegen unterlassener bzw.verhinderter Aufklaerung von

wissenschaftlichem Fehlverhalten und Korruption im Habilitationsverfahren Dr. Uwe

Schleiff durch folgende Institutionen der CAU Kiel:

– Praesidenten der Universitaet Kiel, CAU

– Kommission zur Untersuchung von Vorwuerfen wiss. Fehlverhaltens der CAU

– Ombudsman fuer die Wissenschaft, Prof. Dr. A. Susenbeth, CAU

– Dekane der Agrarwissenschaftlichen Fakultaet, Prof. R. Horn und Prof. E. Hartung

Sehr geehrter Herr Ministerpraesident,

hiermit beantrage ich, dass die von Ihnen beaufsichtigte Universitaet Kiel CAU und ihre Agrarwissenschaftliche Fakultaet eine Beurteilung meiner kumulativen Habilitationsleistung (Schleiff, Uwe: ‚Salztoleranz von Kulturpflanzen unter besonderer Beruecksichtigung der Salzgehalte des wurzelnahen Bodens’) nach fachlich inhaltlichen Kriterien durchfuehrt. Das ist bis heute trotz wiederholter Antraege leider nicht geschehen.

Mein Antrag ergibt sich aus dem Zugang zu meiner Habilitationsakte, den ich nach jahre-langen Bemuehungen am 15.06.2015 bekam. Herrn Prof. Hartung moechte ich dafuer ausdruecklich danken, denn erst dank dieser Akteneinsicht ist mir der volle Umfang des wissen-schaftlichen Fehlverhaltens und Korruption bekannt geworden, die zur Ablehnung meines Habilitationsantrages gefuehrt haben.

Dieser Akte ist eindeutig zu entnehmen, dass die Beurteilung meiner Habilitationsleistung nicht nach objektiven, fachlich wissenschaftlichen Kriterien entsprechend der relevanten Habilitationsordnung und unter Beruecksichtigung der DFG-Regeln ‚guter wissenschaftlicher Praxis’ stattgefunden hat, sondern dass eine Reihe unwissenschaftlicher und fachfremder Erwaegungen befangener Professoren der Agrar-Fakultaet und eines externen Gutachters den Ausschlag fuer die Ablehnung gegeben haben. Mein Anliegen entspricht gemaess Prof. Frank Kempken auch dem grundsaetzlichen Anspruch der CAU, dass ‚Schummeleien’ in der Wissenschaft nicht der Verjaehrungsfrist unterliegen duerfen. Im Folgenden begruende ich meinen Antrag:

  • In diesem Verfahren wurde Prof. H.P. Blume von der Fakultaet wegen seiner fachlichen

Naehe mit dem Vorsitz des Habilitationsausschusses betraut. Als interne Fachgutachter waren Prof. H.P. Blume selber und Prof. A. Finck taetig (CAU), als externe die Professoren F. Fuehr (KFA Juelich) und K. Mengel (Uni Giessen, Institut fuer Pflanzenernaehrung). Von diesen vier Professoren sprachen sich drei (Fuehr, Finck, Blume) fuer die Annahme der Arbeit aus. Die Ablehnung der Arbeit durch Prof. K. Mengel, einem entschiedenen Gegner von Prof. A. Finck, beruhte nachweislich auf fachlicher Inkompetenz und Ignoranz.

Da es sich um ein ‚kumulatives’ Habilitationsverfahren handelte, lagen darueberhinaus bereits etwa 20 positive Begutachtungen aus Publikationen in ‚peer-reviewten’ nationalen und internationalen Fachzeitschriften vor, die aber keine Beruecksichtigung fanden, warum auch immer.

  • Der Akte ist zu entnehmen, dass sich der fachfremde und mir gegenueber nachweislich

befangene Phytopathologe (Pflanzenschutz) Prof. Boerner, Agrarwissenschaftliche Fakultaet der CAU, massgeblich fuer die Ablehnung der Arbeit einsetzte und auch andere Nichtfachleute (Prof. Koester, Agrarpolitik) der Fakultaet ueberzeugen konnte. In seinem Schreiben vom 13.04.1984 an den Dekan fasst er die Gruende fuer seine Ablehnung zusammen.

  • Das sehr positive Gutachten von Prof. Fuehr, der meine Arbeiten auch aus dem

DFG-Schwerpunkt ‚Rhizosphaere’ bestens kannte, erkennt Prof. Boerner als fachlicher Laie nicht an.

Prof. Fuehr wurde von der Fakultaet als Gutachter bestellt, weil er Leiter des Institutes fuer Radio-Agronomie an der KFA Juelich war und dieses Institut war damals die einzige deutsche Forschungseinrichtung, die auf dem Gebiet der ‚Salztoleranz’ eine langjaehrige, wissen-schaftliche Zusammenarbeit mit Pakistan pflegte (NIAB, Faisalabad), einem Land, in dem die Bodenversalzung bekanntlich zu erheblichen Ertragsausfaellen in der Bewaesserungsland-wirtschaft fuehrt.

  • Auch das Gutachten von Prof. Blume/Kiel wird von Prof. Boerner als Ablehnung

gewertet.

Zutreffend ist, dass Prof. Blume mir am 20.08.2004 persoenlich sein massgebliches Gutachten zustellte. Dieses Gutachten endet mit dem Satz: ‚Obwohl auch manche Formulie-rungen zeigen, dass Herr Schleiff sein Fachgebiet noch nicht ganz in der notwendigen Breite beherrscht, sehe ich das Vorgelegte als eine wohl ausreichende Habilitationsleistung an’. Zu diesem eher positiven Urteil kommt Prof. Blume, obwohl er damals die grundlegend neuen Erkenntnisse meiner Arbeit und die Folgen fuer die Salztoleranzforschung offensichtlich noch nicht in vollem Umfang erkannt hatte. In seiner vorsichtigen Formulierung fliesst sicher auch ein, dass er als Bodenkundler sich nicht als ausgewiesenen Experten auf dem Gebiet der ‚Salz-toleranz im Bewaesserungsfeldbau’ sieht, was beispielhaft auch aus seinem ‚Handbuch des Bodenschutzes’, 2. Auflage 1992, Ecomed Verlag, Kapitel 2.7.4 ‚Salze’, S. 318-325, hervorgeht. Die im Endergebnis positive Bewertung wird von Prof. Boerner und in der Folge auch von der Fakultaet als Ablehnung gewertet.

  • Das eindeutig negative Gutachten von Prof. Mengel/Giessen erfaehrt beim Laien Prof.

Boerner besondere ‚Wertschaetzung’, Zitat Boerner: ‚Wenn die von Herrn Kollegen Mengel in seinem Gutachten dargestellten Einwaende richtig sind, dann bleibt dem Habilitationsausschuss keine andere Wahl, als die Arbeit zurueckzuweisen.

In dieser Formulierung ist erkennbar, dass Prof. Boerner sich nicht um eine eigene fachliche Bewertung bemueht hat und sich mit seinem ablehnenden Urteil auch mangels fachlicher Qualifikation auf das Mengel-Gutachten beruft.

Eine objektiv wissenschaftliche Pruefung des Mengel-Gutachtens wurde nicht vorge-nommen, haette aber ergeben, dass die wesentlichen Kritikpunkte des Mengel-Gutachtens weder damals noch heute aus fachlicher Sicht eindeutig nicht gerechtfertigt sind.

Ferner ist zu bedenken, dass Meinungsunterschiede zwischen Wissenschaftlern kein Grund sind, eine Ablehnung auszusprechen (Bundesverfassungsgericht – 1BvR 3389 -, S. 14, Abs. 3). Prof. Finck weist bereits in seiner Stellungnahme vom 14.5.85 auf die fachlichen Schwaechen des Mengel-Gutachtens hin, die jedoch weder bei Prof. Boerner noch der Fakultaet Gehoer fanden.

Inzwischen haben die von Prof. Mengel angezweifelten oder ignorierten Erkenntnisse laengst Eingang in die internationale Fachliteratur gefunden, nur leider bis heute wohl noch nicht an der Kieler Fakultaet. Grundsaetzlich sollte doch wohl gelten, dass eine wissenschaftliche Arbeit nicht allein deshalb negativ zu bewerten ist, weil sie von sehr einflussreichen, aber nachweislich fachfremden und inkompetenten Gutachtern aus persoenlichen Erwaegungen abgelehnt wird (Bundesverfassungsgericht – 1BvR 3389 -, S. 16, Abs. 3.).

  • Zur Auswahl der Gutachter ist anzumerken, dass der offizielle Betreuer meiner wissen-

schaftlichen Arbeit, der jahrelang erfolgreich DFG-Antraege zu meinem Thema gestellt hatte, der Bodenkundler Prof. Dr. agr. G. Schaffer vom Leichtweiss-Institut fuer Wasserbau der TU-Braunschweig, anscheinend gezielt von der Evaluierung meiner Habilitationsarbeit ausge-schlossen wurde.

Auch dieser Umstand, dass man den in Deutschland damals fachkundigsten Gutachter nicht einbezog, spricht nicht gerade dafuer, dass die Fakultaet sich um ein qualifiziertes und fach-gerechtes Verfahren bemuehte.

  • Es ist aus der Habilitationsakte offensichtlich, dass vor allem die zwielichtigen Machen-

schaften eines fachfremden und mir gegenueber befangenen Mitgliedes der Agrarwissen-schaftlichen Fakultaet, Prof. Hans Boerner (Leiter des Instituts fuer Phytopathologie), zur Ablehnung meiner Habilitationsleistung durch die Fakultaet gefuehrt haben.

Diese vom Laien Prof. Boerner manipulierte Lesart der Gutachten Fuehr und Blume fuehrt zu dem Ergebnis, dass er einzig das Gutachten von Prof. Finck als Zustimmung ansieht. Die Fakultaet schliesst sich seiner fragwuerdigen Schlussfolgerung an.

  • Der Akte ist ferner zu entnehmen, dass Prof. Boerner auf der Fakultaetssitzung vom

12.6.85 einen Versuch unternahm, das Habilitationsverfahren wegen angeblich rechtlicher Bedenken in Frage zu stellen.

Die Rechtmaessigkeit seines eigenen, dominierenden Einflusses auf das Habilitations-verfahren wird dagegen nicht angezweifelt. Als Beamter des Landes SH haette jedoch seine Befangenheit mir gegenueber thematisiert werden muessen, um eine Pruefung frei von ‚sachfremden Erwaegungen’ zu ermoeglichen.

Seine Befangenheit geht zurueck auf einen Antrag, den ich an die Fakultaet im Jahre 1970 unmittelbar vor meiner Diplom-Pruefung stellte (zwischen dem 13.07. und 25.07.1970). In diesem Antrag wies ich schon damals auf meine Bedenken hin, von Prof. Boerner eine objektive Pruefung erwarten zu koennen. Ich beantragte deshalb, von einem anderen Pruefer geprueft werden zu koennen oder ersatzweise um eine oeffentliche Pruefung, um nicht seiner Willkuer ausgesetzt zu sein. Die Fakultaet erkannte meinem Antrag als berechtigt an und genehmigte eine oeffentliche Pruefung, die ich mit der Note 2-3 bestand. Hintergrund meines Antrages waren Meinungsverschiedenheiten zwischen Studenten und Prof. Boerner ueber seine Praktika, in der nach Meinung der Studenten der Bezug zur landwirtschaftlichen Praxis zu kurz kam.

Erschuetternd ist, dass sowohl die ‚Kommission zur Untersuchung von Vorwuerfen wiss. Fehlverhaltens’ der CAU als auch die Professorenschaft der heutigen Agrarwissen-schaftlichen Fakultaet in diesem skandaloesen Verfahren einen Vorgang sehen, der durch die Habilitationsordnung gedeckt sein und den DFG-Empfehlungen zur ‚Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis’ entsprochen haben soll (Anlage 1: Schreiben des Dekans Prof. E. Hartung vom 29.09.2015; Anlage 2: Schreiben der ‚Kommission zur Untersuchung von Vorwuerfen wiss. Fehlverhaltens vom 21.03.2013).

  • Im Schlepptau von Prof. Boerner bringt der ebenfalls fachfremde Agrarpolitiker Prof. U,

Koester in seinem Schreiben vom 11.06.1985 eine weitere Anforderung an meine Arbeit ins Spiel. Er schreibt unter anderm, ‚dass man bei Habilitationen von nicht an der hiesigen Universitaet taetigen Wissenschaftlern strengere Massstaebe anlegen sollte als bei unserem eigenen wissenschaftlichen Nachwuchs’. Diese Forderung ist durch keine Habilitations-ordnung gedeckt. Im Uebrigen haette diese Arbeit bei einer fachlich objektiven Bewertung durch ausgewiesene Experten dieser Forderung entsprochen.

  • Es ist offensichtlich, dass bei der Ablehnung meiner Arbeit wissenschaftliche Argu-

mente, wenn ueberhaupt, nur eine marginale Rolle gespielt haben. Stattdessen waren fachliche Inkompetenz, Willkuer und niedere Beweggruende ausschlaggebend.

Laut einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes (Beschluss vom 04. November 2010 – 1 BvR 3389/08) zum Habilitationsverfahren von Dr. A. Fleissner im Jahre 1988 (UKE Hamburg) hat die Fakultaet den Anspruch eines Antragstellers auf ein objektives Bewertungs-verfahren zu gewaehrleisten. Dort heisst es auf S.14, Abs. 3, Zitat: ‚Das Bewertungsverfahren muss im Rahmen des Moeglichen Objektivitaet und Neutralitaet gewaehrleisten. Daraus ergeben sich Anforderungen bezueglich der sachgerechten Auswahl der Pruefer, ihrer Zahl und ihres Verhaeltnisses zueinander, insbesondere bei Bewertungsdifferenzen (vgl. BVerfGE 84, 34 <46>). Der Betroffene hat Anspruch auf eine fehlerfreie und verfahrensmaessige Leistungs-bewertung durch sachkundige Personen. Bei fachspezifischen Fragen darf eine mit guten Gruenden vertretene Auffassung nicht als falsch bewertet werden, nur weil das Pruefungs-gremium hierzu eine andere Auffassung vertritt als der zu pruefende Bewerber.’ Auf S.15, Abs.1, wird ausdruecklich betont, dass sich ‚Pruefer nicht von sachfremden Erwaegungen … leiten lassen duerfen, wie in meinem Verfahren nachweislich mehrfach geschehen.

  • Auf mein Schreiben vom 25.01.2013 an den ‚Ombudsman fuer die Wissenschaft’ der Uni

Kiel, Prof A. Susenbeth, habe ich bis heute keine Antwort erhalten.

  • Nach Ablehnung meiner Habilitationsleistung habe ich die wesentlichen Erkenntnisse

in zahlreichen Publikationen und auf Einladung in Vortraegen international mit sehr positiver Resonanz bekannt gemacht (siehe www.salinity.de, Publikationsliste).

Die Weigerung der CAU und ihrer beteiligten Institutionen, mich bei der Wahrheitsfindung in meinem Habilitationsverfahren zu unterstuetzen, laesst die Vermutung aufkommen, dass die so oft beschworene ‚Selbstkontrolle in der Wissenschaft’ in meinem Fall nicht funktioniert hat. Wenn Sie Bedarf an einem klaerenden Gespraech sehen, stehe ich gerne fuer weitere Auskuenfte zur Verfuegung. Ich hoffe, dass es Ihnen gelingt, diese seit Jahren schwelende Affaere endlich zu einem sachgerechten und fairen Ende zu fuehren, auch um dem Ruf Ihrer Universitaet nicht zu schaden. Ich bitte um eine baldige Nachricht.

Mit freundlichem Gruss und den besten Wuenschen fuer das neue Jahr.

Ihr

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