Prof. Dr. em. H.P. Blume

Agrarwissenschaftliche Fakultaet

Universitaet Kiel

Betr.: Habilitationsakte Dr. Uwe Schleiff

17.08.2015

Lieber Herr Blume,

zunaechst danke ich Ihnen fuer Ihre Antwort und dass Sie meine Kritik an meinem Habilverfahren gelesen haben. Sie haben sicher auch festgestellt, dass dieses Verfahren sehr viel mit ’schmutziger Waesche waschen‘ und nur am Rande etwas mit einer kompetenten Bewertung meiner wissenschaftlichen Leistung zu tun hatte.

Aus fachlicher Sicht hat zum Scheitern meiner Habilarbeit wesentlich beigetragen, dass ich mit meinem Konzept zur Bedeutung der lateralen Salzverteilung in der Wurzelzone eines bewaesserten Bodens ein neues Kapitel zum Verstaendnis der Salztoleranz von Pflanzen auf den Weg gebracht habe. Dieses Konzept trifft inzwischen international auf grosse Zustimmung, wie Ihnen folgende Beispiele zeigen moegen. Ich zitiere aus dem Final Evaluation Report (Mai/2014) der Europa weiten COST-Action FA0901 (‘Putting Halophytes to Work – From Genes to Ecosystems’), der auf Seite 12 unter ‘Significant Scientific Breakthroughs as Part of the COST Action’ ausdruecklich auf die Bedeutung des ‘understanding how the effect of root morphology affects the build-up of soil osmotic and matric water potentials in the rhizospheric soil fraction directly contacted by roots’ hinweist. Oder in einem aktuellen Gutachten heisst es: ‚It is direly (äusserst) needed to work on the discussed (salt tolerance/root morphology) issue‘. Nur in Deutschland findet mein Konzept zur ‚Salztoleranz’ nach wie vor kaum Resonanz, obwohl die seit Jahrzehnten bevorzugte, rein pflanzenphysiologische Ausrichtung trotz erheblicher Investitionen keinen nennenswerten Fortschritt gebracht hat.

In einem andern Punkt habe ich Ihr Schreiben ueberhaupt nicht verstanden. Mit dem von Ihnen erwaehnten Institut in Voelkenrode/FAL (heute JKI) hatte ich nie etwas zu tun, da liegt wohl eine Verwechslung vor. Die gescheiterte Habilarbeit hatte fuer mich naemlich zur Folge, dass ich als Wissenschaftler ‚verbrannt’ war und meine Bewerbungen um entsprechende Positionen abgelehnt wurden. Ich habe meinen Lebensunterhalt dann als unabhaengiger Gutachter verdient. Einigermassen geglueckt ist mir das, weil ich damals mit dem selbst entwickelten Feldlabor ‚SALINITY & SOIL FERTILITY KIT’ eine Marktluecke getroffen habe (siehe Anhang). Eine Spaetfolge meiner gescheiterten Habilitation ist allerdings, dass ich heute eine Rente unterhalb des Existenzminimums beziehe. Zum nachweislichen Schaden fuer den wissenschaftlichen Fortschritt und Kosten kann ich mich bei Interesse gerne aeussern.

Wie ich Ihnen in meiner Email vom 25.07.2015 mitgeteilt habe, sehe ich nach Akteneinsicht eindeutig Zeichen von erheblichem wissenschaftlichen Fehlverhalten und Willkuer, die der Fakultaet eigentlich unwuerdig sein sollten, aber zum Scheitern meiner Habilitation gefuehrt haben. Dieses Verfahren war weit von den hehren Anspruechen des Wissenschaftsbetriebs entfernt, die in den DFG-Regeln zur ‚Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis’ formuliert werden. Auch die Fakultaet ist ja zur Einhaltung dieser Regeln verpflichtet, solange sie Forschungsgelder der DFG einwirbt.

Ich moechte Sie als den damaligen Vorsitzenden des Habilitationsausschusses darum bitten, der ja auch mit den Unzulaenglichkeiten des Verfahren vertraut ist, eine Neubewertung meiner wissenschaftlichen Arbeiten auf der Basis fachlich inhaltlicher Kriterien in die Wege zu leiten. Davon verspreche ich mir nachtraeglich etwas Gerechtigkeit und eine Rehabilitierung meiner wissenschaftlichen Leistung. Kritische Selbstkontrolle, Ehrlichkeit und Redlichkeit gelten ja als Grundprinzipien unseres Wissenschaftssystems, weil sie Voraussetzung fuer eine leistungsfaehige und im internationalen Wettbewerb anerkannte Arbeit sind und die ‚Unabhaengigkeit der Wissenschaft’ rechtfertigen. Jeder Fall von Unredlichkeit ist einer zuviel, zumal wenn er noch bekannt ist, und sollte in ‚keinem Fall einfach unter den Teppich gekehrt werden’ (Zitat DFG-Denkschrift). Eine entscheidende Frage ist natuerlich, ob der Fakultaet ueberhaupt daran gelegen ist, eine offensichtliche Fehlleistung in der Vergangenheit aufzuarbeiten und zu korrigieren.

Wenn ich dazu beitragen kann, dass diese Affaere sachgerecht aufgearbeitet wird, auch um weiteren Schaden von der Fakultaet und der Uni Kiel fern zu halten, bin ich gerne zu einer konstruktiven Mitarbeit bereit. Ich danke Ihnen fuer Ihr Verstaendnis und Ihre Bemuehungen im Voraus. Viel Erfolg mit Ihren Vorhaben zum 350. Geburtstag der CAU. Ich wuerde mich freuen von Ihnen zu hoeren.

Mit den besten Gruessen, Ihr Uwe Schleiff

Wolfenbuettel, 17.08.2015

Prof. H.P. Blume antwortet am 18.08.2015

Lieber Herr Schleiff,
ich bestätige den Eingang Ihres Mail. Das Habilitationsverfahren ist ordnungsgemäß durchgeführt und abgeschlossen worden. Ich sehe keine Veranlassung, eine erneute
Behandlung des Verfahrens seitens der Fakultät zu beantragen.
Mit freundlichen Grüßen
H.-P. Blume